An meine Collegen

An meine Collegen.

Der angenehmen Pflicht nachkommend, der zweiten Auflage vorliegenden Lehrbuchs einige Worte vorauszuschicken, habe ich zunächst dessen wohlwollende Aufnahme und die eingehende Kritik, die demselben zu Theil wurde, mit Dank zu erwähnen. Ich habe mich durch letztere zu mehreren kleinen, aber nicht unwichtigen Aenderungen und Ergänzungen veranlaßt gesehen.. Auch meine eigenen in 4 Hebammenkursen seitdem gewonnenen Erfahrungen boten mir hier und dort Material zu solchen. Ich hoffe, dieselben werden von den Collegen, wie von mir, als Verbesserung angesehen werden.

Meine geburtshülflichen Grundsätze, soweit sie die Hebammen betraffen, bieten sich im Buche selbst der Kritik dar, ich hoffe mit der Mehrzahl der Collegen mich in Uebereinstimmung zu befinden. Ueber die Auswahl der Dinge, die die Hebamme wissen soll, der Dinge, die sie überhaupt verstehen kann, über die Ordnung, in der ihr diese Materien vorgetragen werden, und über die Methode, in der sie zum Verständniß des Nöthigen am besten geführt wird, glaube ich Ihnen eine kurze Darlegung meiner Ansichten um so meht schuldig zu sein, als ich im Lehrbuch selbst, den Hebammen gegenüber, jede Motivirung des Lehrplanes, wie sie wohl üblich ist, als nicht zweckmäßig ausschloß.

Was die Auswahl des Stoffes betrifft, so könnte es zunächst auffallen, daß ich in der Einleitung die übliche Aufzählung der von vornherein erforderlichen Hebammeneigenschaften weggelassen habe. Da die Auswahl passender Personen und die Zulassung zum Hebammenunterricht überall von den Behörden und vom Hebammenlehrer abhängt, hielt ich es für überflüssig, der Hebamme zu erörtern, daß sie nicht zu alt, nicht zu dumm und nicht verkrüppelt sein dürfe.

Womit nun der eigentliche Unterricht beginnen soll, ist eine Frage von höchster Wichtigkeit. Ich halte es mit Vielen für zweckmäßig, mit einer allgemeinen Betrachtung des Körpers zu beginnen. Das, was die Hebamme am Körper von Außen sehen und fühlen kann, muß sie sich zu einem zusammenhängenden Bilde gestalten können. Das Becken, die in demselben beim Weibe gelegenen Organe und deren Veränderungen durch die Schwangerschaft, vom kindlichen Körper namentlich den Schädel, muß sie genauer kennen. Tiefere anatomische und physiologische Bildung, deren Nützlichkeit für Jeden, der sie erwerben kann, ich weit entfernt bin zu bestreiten, kann der Hebamme in der gegebenen Zeit nicht beigebracht werden. Erforderlich zur Ausübung ihres Berufes ist dieselbe nicht. Von Dingen aber, deren Kenntniß der Hebamme nothwendig abgeht, hält man ihr am besten auch jede, zu leicht mißverstandene Andeutung fern. Wer darüber anders denkt, oder wer gebildetere Schülerinnen zu unterrichten, oder wer längere Zeit als 3 bis 4 Monate auf jeden Unterrichtskursus zu verwenden hat, wird im mündlichen Vortrag leicht ergänzen, was er im Lehrbuch vermißt.

Mich hat jener Grundsatz auch im Weiteren geleitet. Deßhalb habe ich die mechanischen Verhältnisse der Schwangerschaft und Geburt, von denen nothwendig die Rede sein muß und die die Hebamme sehr wohl verstehen kann, eingehender besprochen, als vor den Hebammen gebräuchlich ist. Bei Besprechung aller derjenigen pathologischen Verhältnisse dagegen, wo die Hebamme vor allen Dingen den Geburtshelfer zu rufen hat, bin ich bestrebt gewesen, mich auf das zu beschränken, was die Hebamme in den Stand setzt, eben diese äußerst wichtige Indication zu stellen.
Die für die Hebamme wichtigen anatomischen Verhältnisse habe ich durch Bilder erläutert, welche namentlich bei späterem Nachlesen die im Unterrich an Präparaten und Zeichnungen gewonnenen Anschauungen frisch zu erhalten bestimmt sind. In Fig. 1. habe ich die in den „Geburtshülflichen Demonstrationen“, Weimar 1824, von Froriep veröffentlichte Zeichnung Köck's in verjüngtem Maße copirt. Die Zeichnung stammt aus den Vorarbeiten zu Sömmering's Tabula sceleti feminini, Trajecti ad Moenum 1797. Die Abbildung der Embryonen, Fig. 18. und 19., die man in einem Lehrbuch für Hebammen überflüssig halten möchte, wird hoffentlich den Vortheil haben, daß die Hebamme, wenn auch nur aus Neugier, die bei Aborten abgehenden Blutklumpen genau untersucht, so daß der später hinzugerufene Arzt, was oft so sehr werthvoll zu wissen ist, erfährt, ob ein Abort wirklich stattgefunden hat. Fig. 25. und 33. habe ich für gegenwärtige Auflage neu gezeichnet, weil zahlreiche an Lbenden und an Leichen inzwischen angestellte Messungen mir über manche topographische Verhältnisse, namtlich über die Veränderung der Biegung der Wirbelsäule in der Schwangerschaft, richtigere Anschauungen verschafft haben. (Die genannten Messungen wurden behufs Entwerfung der gegenwärtig bei Voigt und Günther in Leipzig erscheinenden Wandtafeln der Schwangerschafts- und Geburtskunde angestellt.) Fig. 36. und 37., welche für gegenwärtige Auflage hinzugekommen sind, weden die normale Ausstoßung der Nachgeburt, deren Verständniß für die Hebamme nicht ganz leicht zu sein pflegt, veranschaullichen. Neu sind auch Fig. 52. und 53., nach der Art der schon in voriger Auflage enthaltenen Fig. 39. (damals 48.) den Mechanismus abnormer Kopfgeburten darstellend. Nei hinzugekommen ist entlich Fig. 63., die Umstülpung der Gebärmutter. Dagegen habe ich Fig. 44. der vorigen Auflage, die Traubenmole, als für die Hebamme von geringer Bedeutung, gestrichen. Die mißgestalteten Becken, welche, wie die eben angeführte Figur, früher dem Lehrbuche Hohl's entnommen waren, habe ich für gegenwärtige Auflage in übereinstimmendem Maßstab neu gezeichnet. Fig- 56. ist das bekannte von Robert 1853 beschriebene pariser Becken, Fig. 57. das von Olshausen in der Monatsschrift für geburtskunde ec, 1862 XIX. bekannt gemachte schräge Becken, Fig. 58. das von Lambl in Scanzoni's Beiträgen III. 1858 beschriebene, Taf. II daselbst abgebildete Prag- Würzburger Becken. Fig. 59. und 60. stellen Becken aus der hiesigen Sammlung dar. Alle sind genau in 1/3 des wirklichen Durchmessers nach den Originalabbildungen oder den Präparaten copirt.

Ueber die Grenzen der Wirksamkeit der Hebamme herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. Seit die Aerzte häufiger und gebutshülfliche Ausbildung derselben zur Regel geworden sind, würde es ein großes Unrecht gegen die kreissenden Frauen sein, wollte man der Hebamme gestatten, behufs Wendung des Kindes oder Lösung der Nachgeburt jemals die Hand in den Uterus zuführen. Die Lösung der Arme und des nachfolgenden Kopfes dagegen muß der Hebamme gelehrt werden, weil es sich namentlich auf dem Lande ereignen kann, daß der meiner Ansicht nah bei jeder Beckengeburt zu rufende Arzt noch nicht anwesend ist zu einer Zeit, wo allein die genannte Operation das Kind am Leben zu erhalten im Stande ist.
Die Verabreichung und Verordnung innerer Arzneien von Seiten der Hebamme halte ich für durchaus unstatthaft, nicht als ob ich meinte, es könne durch ein wenig Kinderpulver oder Rhabarbersäftchen großes Unheil angerichtet werden, sondern weil ich weiß, daß, wenn die Leute einmal im Besitz einer, wenn auch nur von der Hebamme verordneten Mittels sind, sie natürlich im Beginn schwerer Erkrankungen Stunden, Tage verstreichen lassen, bevor sie nach ärztlichem Rath sich umsehen. Auch die vielfach noch als obligat angesehene Zimmttinctur habe ich der Hebamme nicht freigegeben; ich sah von diesem Mittel nie eine andere Wirkung als die einfach analeptische, und in den ganz seltenen Fällen, wo die Hebamme diese herbeiführen soll, thut ein Glas Wein, ein Löffel Branntwein bessere Dienste. Aeußere Mittel habe ich der Hebamme mehrere angegeben, so zum Beispiel den Äther, der als Kälte erregend im Sommer, wo Eis und Schnee nicht zu haben sind, bei Behandlung des Scheintodes sehr werthvoll ist.

Im Anhang habe ich die Pflichten der Hebamme für das allgemeine Wohl aufgeführt, die auch im Buche selbst da und dort schon berührt wurden. Es ist dabei keine bestimmte Medicinalgesetzgebung ausschließlich zum Grunde gelegt worden. Jeder Beruf legt dem Berufenen an sich Pflichten auf; von secundärer Bedeutung ist es erst, ob der Staat, in dem er lebt, deren Versäumniß mit Strafe bedroht.

Forensische Beziehungen brauchten nur selten berührt zu werden. Wo es sich in foro um Diagnose vorliegender Thatsachen handelt, wird heutzutage meist sogleich der Geburtshelfer mit derselben beauftragt. Uebrigens leitet mich auch beim Unterricht der Hebammen der Grundsatz, für eine Diagnose nur das gelten zu lassen, was auf so festen Füßen steht, daß es auch in foro Boden behalten würde.

Die Anordnung des Stoffes ist für den Unterricht von hoher Bedeutung. Der Eintheilung des in vielen Beziehungen vortrefflichen preußischen Hebammenbuchs in „eigentliche Hebammenkunst“ und „dasjenige, was der Hebamme aus dem Fache der Geburtshelfer, Aerzte und Wundärzte zu wissen nötig ist“, konnte ich mich nicht anschließen. Denn all' das, was für die Hebamme als Solche zu wissen nöthig ist, fassen wir eben darum unter dem Namen Hebammenkunst zusammen; all' diese Kenntnisse sind dem Fache der Aerzte und geburtshelfer entlehnt, denn alle, auch die elementarsten Hebammenkenntnissee (die „eigentliche Hebammenkunst“) müssen doch wohl dem Arzt und Geburtshelfer schon lange geläufig sein.

Ebensowenig konnte ich mich bequemen, der sonst bei Betrachtung natürlicher Vorgänge üblichen Eintheilung in regelmäßige und von der Regel abweichende die bei Betrachtung der Fortpflanzungsvorgänge, namentlich der Geburt vielfach gebräuchliche Eintheilung in gesundheitgemäße und gesundheitwidrige (Eutokie, Dystokie) zu substituiren, wo man dann die gesundheitgemäße Geburt als diejenige definirt, welche durch die Naturkräfte allein ohne Schaden für Mutter und Kind vollendet wird. Will man diese Eintheilung, die nur nach dem Ausgang die Geburten abtheilt, consequent duchführen, so muß man überall Zusammengehöriges auseinanderreißen. Viele abnorme Geburten sind dann gesundheitgemäß, während dieselbe Abnormität in anderen Fällen zu einem gesundheitwidrigen Resultat führt. Ich will die consequente Durchführung ein und desselben Eintheilungsprincips überhaupt nicht als Nothwendigkeit hinstellen; die Rücksicht, daß das Nachfolgende aus dem Vorhergehenden verständlich sein muß, motivirt Abweichungen; aber bei Aufstellung eines Eintheilungsprincips, das von vornherein der praktischen Anforderung nicht genügt, geht leicht mehr Logik verloren, als gerade minder gebildeten Schülern gegenüber, von denen eine kritische Auffassung nicht zu erwarten ist, um so dringender gefordert werden muß.

Es scheint die Eintheilung in Normales und von der Norm Abweichendes die einzige natürliche Eintheilung, die bei möglichst consequenter Durchführung zweckmäßig bleibt.

Natürlich mußten in den Kapiteln, welche die Regeln für Beobachtung und Behandlung des Normalen betreffen, manche Regelwidrigkeiten bereits berührt werden. Die Behandlung des Normalen hat ja weiter keinen Zweck, als eben Regelwidrigkeiten zu verhüten, und die Beobachtung von Seiten der Hebamme hauptsächlich den, Abweichungen von der Regel frühzeitig zu erkennen. Auch weiß ich die Schwierigkeiten sehr wohl zuwürdigen, die überall da mit Nothwendigkeit sich aufdrängen, wo es gilt, eine Grenze zwischen Normalem und Abnormem zu ziehen. Ich bin an dieser Grenze vom üblichen Gebrauch hier und da abgewichen; ich hoffe es vertreten zu können, daß ich zum Beispiel die Steiß- und Gesichtslagen, daß ich die Zwillingsgeburt als Abnormität, daß ich das Ammenhalten und die künstliche Ernährung des Säuglings als die Behandlung eines abnormen Zustandes abgehandelt habe. Betrachten wir die Steißgeburts in dieser Beziehung, und nur vom Standpunct der Hebamme. Die Hebamme erfährt gewöhnlich, daß die Steißgeburt eine regelmäßige und eine gesundheitgemäße Geburt sei; dabei erfährt sie, oder kann es wenigstens erfahren, daß von 1000 Geburten nur etwa 32 Steißgeburten sind: die Umschlingung der Nabelschnur, die bei 1000 Geburten etwa 200mal vorkommt, soll sie als eine Regelwidrigkeit betrachten. Wo bleibt für sie da der Begriff der Regel? Es wird ihr auch die durchaus richtige Anweisung ertheilt, bei jeder Steißgeburt ohne Weiteres, wegen der für das Kind durch die Steißgeburt selbst gegebenen Gefahren, auf Hinzuziehung des Geburtshelfers zu dringen. Wo bleibt da der Begriff des Gesundheitgemäßen?

Ich habe mich aller dogmatischen Eintheilung möglichst enthalten und mich bemüht, hauptsächlich das diagnostisch Verwandte neben einander zu stellen. Der Hebamme gegenüber scheint es mir nothwendig, die Lehre von irgend welchem Vorgang, die Anweisung zur Beobachtung desselben und die darauf etwa bezüglichen Regeln über das Handeln der Hebamme stets möglichst nahe zu einander zu stellen.

In der ersten Auflage waren die abnormen Vorgänge bei Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts den normalen Vorgängen jedesmal unmittelbar angereiht worden. Erfahrung hat mich gelehrt, daß die am häufigsten befolgte Anordnung, zuerst in continuo den ganzen normalen Fortpflanzungsvorgang und erst hinterher die Abweichungen von der Regel anzuhandeln, namentlich bei kurzen Unterrichtskursen, in denen die klinische Unterweisung von Anfang an nebenhergeht, die zweckmäßigere ist. Dieselbe ist daher in dieser zweiten Auflage befolgt worden.

Auf der Grenze zwischen Geburt und Wochenbett habe ich mir eine förmliche Defraudation erlaubt. Ich muß voraus bemerken, daß ich nicht etwa das Wochenbett für die sechste Geburtsperiode halte, vielmehr bei wissenschaftlicher Betrachtung der Geburt es vollkommen gerechtfertigt finde, mit der Abnabelung das Kind und mit der Ausscheidung der Nachgeburt die Mutter zu verlassen. Die Hebamme darf das aber in praxi nicht. Es scheint mir daher angemessen, wie im Vortrag so auch im Lehrbuch, die Verrichtungen der Hebamme in ihrer chronologischen Reihenfolge zu lassen, ich meine, das erste Baden und Kleiden des Kindes und die Behandlung des Scheintodes, welche oft in die Nachgeburtsperiode der Mutter fallen, und überhaupt Alles, was die Hebamme zu thun hat, ehe sie von der Geburt nach Hause gehen darf, unter der Ueberschrift „Geburt“ abzuhandeln.

Nun noch ein paar Worte über die Methode. Wissenschaftlich richtig und dabei für einen sehr niedrigen Standpunct verständlich und praktisch brauchbar zu schreiben, ist eine Aufgabe, die für gewisse Gegenstände äußerst schwierig zu lösen ist. Es giebt mehrere Wege, dieser Lösung - auszuweichen. Die wohlfeilste Art, populär zu schreiben, ist die, Ausdrücke und Begriffe, die für die Collegen zu schlecht sind, den Hebammen anzubieten, die wissenschaftichen Thatsachen an irgend welche populären Begriffe anzuknüpfen und nun ihrem Schicksal zu überlassen.

Etwas besser, wenn auch nahe verwandt, ist die teleologische Methode. Ueber die Berechtigung der Teleologie in der Wissenschaft rede ich nicht, es handelt sich hier nur darum, ob die teleologische Methode der Darstellung gerade für Hebammen die geeignete sei. Es hat allerding für ein ungebildetes Gefühl etwas der Beruhigendes, den nothwendigen Erfolg natürlicher Vorgänge, wenn er gewünscht ist, als deren Zweck zu betrachten. Ein guter Zweck kann recht gern als zureichender Grund angesehen werden, und so wird durch solche Anschauungsweise freilich viel Kopfbrechens über die Ursache irgend einer Erscheinung erspart. Die Hebamme soll ja auch nicht zu wissenschaftlichen Forschungen erzogen werden.

Wo alle Bedingungen ganz normal sind, ist diese teleologische Anschauung ganz vortrefflich, sie beruhigt das Gemüth der Hebamme und durch sie das der Kreissenden; sie mehrt die in vielen Fällen so werthvolle passive Geduld. Wie verhält es sich aber mit diesem teleologischen Narkotikum bei Beurtheilung eines concreten von der Norm abweichenden Falles? Wenn der Zweck einmal überhaupt die Naturerscheinungen regulirt, wird dann nicht diese seine Wirksamkeit sich da vor Allem zu entfalten haben, wo seine Realisirung Hindernisse findet, wo es gilt, ihn gegen feindliche Einflüsse geltend zu machen? „Wo die Noth am größten, ist Gottes Hülfe am nächsten“, ist ein populäres Sprichwort, ganz dieser Anschauungsweise entsprungen - unter Umständen vortrefflich, aber bietet es für die Berufsthätigkeit der Hebamme einen empfehlenswerten Standpunct? Die Hebamme soll nur zwei abnorme Geburten in diesem Glauben mit ansehen und all' ihr Glaube wird ihr entschwunden sein; doch ist es gewiß in allen Beziehungen wünschenswerth, daß sie eine recht fromme Frau sei - und bleibe. Wohl soll dem Handeln der Hebamme eine gesunde Moral, aber es kann nicht ihrem medicinischen Wissen der Religionsunterricht als Basis dienen.

Soweit die Hebamme die Ursachen der natürlichen Vorgänge begreifen kann, fehlt jeder Grund, ihr dieselben zu verschweigen oder zu verhüllen. Jede Art gemeinverständlich klingender Phrasen aber über Dinge, zu deren Begriff wissenschaftliche Vorbildung gehört, ist weit schädlicher, als es Vielen bedünkte. Das Bewußstein, Nichts zu wissen, wo man in der That Nichts weiß, ist nicht allein für den Forscher, es ist ebenso für den rein praktisch Ausübenden eine der Hauptbedingungen für die Möglichkeit klar bewußten Handelns. Wenn die Hebamme das, was sie wissen kann und wissen muß, ganz weiß; wenn sie die Grenze genau kennt, jenseits welcher ihr Wissen und ihr Können aufhört: dann wird sie nicht nur in ihrem Thun und Lassen zweckmäßiger verfahren, sie wird auch jede Abweichung richtiger beurtheilen und zur rechten Zeit an höhere Hülfe beim Geburtshelfer appeliren - nicht erst, wie leider noch oft geschieht, wenn sie einsiehr, daß sie den schon unabwendbaren Ausganag der Sache selbst zu verantworten, nicht im Stande sein wird.

Jena, im März 1864.

B. Schultze.

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