1.4. Von dem Bau und der Lage der weiblichen Geschlechtstheile.

Viertes Kapitel.

Von dem Bau und der Lage der weiblichen Geschlechtstheile.

§. 45. 

Die weiblichen Geschlechtstheile liegen theils außen am Becken in der Schamgegend, theils innen im Becken; man theilt sie danach in innere und äußere. Zu den weiblichen Geschlechtstheilen gehören außerdem noch die Brüste.

1. Aeußere Geschlechtstheile oder Schamtheile. (Fig. 13.)

§. 46.

Die vor dem After, 1, gelegene fleischige, von Haut überzogene Parthie ist das Mittelfleisch oder der Damm, 2. Derselbe erstreckt sich seitlich bis zu den Stellen, wo die Sitzhöcker durch die Haut zu fühlen sind, und bildet eine von vorn nach hinten 1 bis 1 1/2 Zoll breite Brücke zwischen der Afteröffnung und der Schamspalte. Am After ist der Damm dicker, wird nach vorn zu immer dünner und läuft am hinteren Rande der Schamspalte in das ganz zarte Schamlippenbändchen aus, 3; von diesem an erstreckt sich nach vorn und oben zwischen den Schenkeln herauf 2 Zoll lang die Schamspalte. Zu beiden Seiten der Schamspalte liegen die, im jungfräulichen Zustande eng aneinanderliegenden großen Schamlippen, 4, zwei breite Hautfalten, welche an ihrer äußeren Seite behaart, an ihrer inneren glatt und feucht sind. Hinten sind dieselben am vorderen Rand des Dammes durch das genannte Schamlippenbändchen verbunden, nach vorn und oben gehen sie in den mit krausne Haaren besetzten Schamberg, 5, über, welcher nach vorn und oben von der Schamfuge gelegen, an den Bauch grenzt.

§. 47.

Oeffnet man durch Zurseiteziehen der großen Schamlippen die Schamspalte, so zeigen sich die innerhalb derselben gelegenen Theile, roth gefärbt wie die Innenfläche des Mundes, weil sie wie diese von Schleimhaut überzogen sind. Im Grunde der Schamspalte nach vorn zu liegt ein erbsengroßes, hervorragendes Knöpfchen, das ist die Eichel des Kitzlers, 6. Nach oben von demselben fühlt man den übrigen Theil des Kitzlers durch die Schleimhaut als einen harten Strang.

Der Kitzler ist vorn von einer Hautfalte umgeben, das ist die Vorhaut des Kitzlers. Nach unten und hinten gehen von der Eichel des Kitzlers zwei kleine Hautfalten ab, das ist das Bändchen des Kitzlers. Die Vorhaut und das Bändchen vereinigen sich auf jeder Seite zu je einer Hautfalte, welche an der Innenseite der großen Schamlippe herablaufend mit derselben verschmilzt. Diese beiden Hautfalten sind die kleinen Schamlippen, 7. Der Raum zwischen beiden kleinen Schamlippen ist der Vorhof der weiblichen Geschlechtstheile. In demselben liegt etwa dreiviertel Zoll hinter der Eichel des Kitzlers die Mündung der Harnröhre, 8, welche der Ausgang der Urinblase ist. Noch weiter hinten in dem Vorhof liegt der Eingang in die Scheide, 9, eine runde Oeffnung, deren größerer Theil bei Jungfrauen meist durch eine sichelförmige Schleimhautfalte, das Jungfernhäutchen, von unten der verdeckt ist. Bei Frauen, wo das Jungfernhäutchen zerrissen ist, findet man an dieser Stelle als Rest die myrthenförmigen Wärzchen, 10.

2. Innere Geschlechtstheile. (Dazu Fig.14. 15. 16.)

§. 48.

Die Scheide oder Mutterscheide ist eine schlauchförmige Höhle, welche sich vom Scheideneingang, Fig. 13. 9, in der Länge eines Fingers in der Richtung der Führungslinie in das Becken hinauf erstreckt; siehe Fig. 15. und Fig. 16. f. Ihre vordere und hintere Wand sind mit straffen querverlaufenden Falten besetzt, die aber durch häufige Ausdehnung beim Beischlaf und bei Geburten ausgeglättet werden; dann werden die Wände glatt und schlaff. Im ruhenden Zustand liegt die vordere Wand dicht an der hinteren an. Bei Jungfrauen ist die Scheide ziemlich eng. Durch den Beischlaf und noch mehr durch Geburten wird sie viel weiter. Der oberste Theil der Scheide heißt das Scheidengewölbe, e, in ihn ragt von oben her der unterste Abschnitt der Gebärmutter, der eben darum Scheidentheil der Gebärmutter heißt, Fig. 14. d, zapfenförmig hinein.

§. 49.

Die Gebärmutter liegt über der Scheide in der Fortsetzung der Führungslinie des Beckens. Fig. 14. zeigt die Gebärmutter im Zusammenhang mit der Scheide und mit den anderen später zu beschreibenden Theilen von vorn. Sie ist ein ungefähr birnenförmiger, von vorn nach hinten platter, fester, fleischiger Körper, 3 Zoll lang, pben 2 Zoll breit und im jungfräulichen Zustande 2-3 Loth schwer.

Man unterscheidet an ihr eine vordere und eine hintere Fläche, zwei seitliche Ränder und den oberen Rand, den Grund der Gebärmutter, a; ferner den oberen größeren Abschnitt, den Körper, b, und den unteren schmäleren, den Hals der Gebärmutter, c, von welchem wiederum der unterste Theil der vorhin erwähnte Scheidentheil, d, ist. Derselbe hat eine vordere und eine hintere Lippe und zwischen beiden eine Querspalte (siehe Fig. 16.)

§. 50.

Die Gebärmutter ist hohl. Durch den Gebärmutterhals führt der Gebärmutterhalskanal, im Gebärmutterkörper liegt die Gebärmutterhöhle, n. Der Gebärmutterhalskanal öffnet sich in jene Querspalte zwischen der vorderen und hinteren Muttermundslippe durch den äußeren Muttermund, q, in die Scheide, oben durch den inneren Muttermund, p, in die Gebärmutterhöhle. Die Gebärmutterhöhle ist ausgeschweift dreieckig, die untere Ecke liegt eben am inneren Muttermund, die beiden oberen zu den Seiten des Gebärmuttergrundes. Von der Seite betrachtet ist die Gebärmutterhöhle viel enger, siehe Fig. 16., weil die vordere Wand an der hinteren dicht anliegt.

Fig. 15. zeigt die Gebärmutter nebst Scheide und äußeren Geschlechtstheilen, Muttertrompeten und Eierstöcken von hinten. Die hintere Wand der äußeren Gwschlechtstheile, der Scheide, der Gebärmutter und der Muttertrompeten ist abgetragen, so daß man in die Höhlung derselben sieht.

§. 51.

Zu beiden Seiten des Gebärmuttergrundes gehen die beiden Muttertrompeten oder Eierleiter nach rechts und links ab, Fig. 14 u. 15. g g, zwei schlanke, vier Zoll lange Schläuche, welche von einer feinen Fortsetzung der Gebärmutterhöhle, o o, durchbohrt sind, und sich an ihren Enden trompetenförmig erweitern, h h. Am trompetenfürmig erweiterten Ende läuft die Wand der Eileiter in Fransen aus.

§. 52.

Ebenfalls zu beiden Seiten der Gebärmutter, etwas weiter nach hinten und unten liegen die beiden Eierstöcke, l m, mandelförmige Körper, welche zahlreiche kleine bis erbsengroße Bläschen enthalten, in welchen die Eier, nur 1/10 Linie groß, gelegen sind. Der linke Eierstock, l, ist aufgeschnitten, so daß diese Bläschen sichtbar sind.

§. 53.

Vom Eierstock zur Gebärmutter geht auf jeder Seite, hinten gelegen, das Eierstockband, Fig. 15. x x. Von der Gebärmutter geht im Bogen nach vorn zur Leistengegend auf jeder Seite das runde Mutterband, Fig. 14. i i.

Diese Bänder und die Eierstöcke und die Muttertrompeten sind in die breiten Mutterbänder eingeschlossen, welche, auf jeder Seite eines, von dem ganzen Seitenrand des Gebärmutterkörpers zur inneren seitlichen Wand des Beckens gehen, Fig. 14 und 15. k k.

§. 54.

Theils durch diese Bänder, theils durch die Anheftung am Scheidengewölbe, besonders aber durch eine starke sehnige Haut, welche das ganze Becken inwendig auskleidet, wird die Gebärmutter in ihrer Lage befestigt, ohne jedoch ganz unbeweglich zu sein. Die Gebärmutterhöhle liegt in der Führungslinie des Beckens, der Grund der Gebärmutter, a, steht in der Höhe des Beckeneinganges, siehe Fig. 16.

Vor der Scheide und der Gebärmutter liegt im Becken die Harnblase, r, in welche der Urin, welcher von den Nieren bereitet wird, durch die Harnleiter von rechts und links her hinabfließt und wo er sich sammelt, bis er durch die Harnröhre bei 8 entleert wird.
Hinter der Scheide und der Gebärmutter liegt der Mastdarm, s, das ist das Endstück des ganzen Darms; durch denselben werden die Ueberreste der Speisen aus dem After, 1, als Koth entleert. Der Mastdarm liegt hinter der Scheide und Gebärmutter, nicht in der Mitter, sondern etwas nach links und geht linkd am Vorberg, v, vorbei.

Der Raum t t t ist von dem Darm ausgefüllt. u ist die in der Mitte durchschnittene Schambeinfuge. Die übrigen Bezeichnungen auf Fig. 16. sind wie bei Fig. 13. 14 und 15.

3. Brüste. (Siehe Fig. 1.)

§. 55.

Zu beiden Seiten vor den Rippen liegen in vielem Fett eingebettet die beiden Milchdrüsen, in denen nach der Geburt die Milch bereitet wird. Die jede Brust halbkugelförmig überziehende Haut zeigt in der Mitte einen runden, dunkler gefärbten Fleck, den Warzenhof, in desssen Mitte eine hellrothe, empfindliche Hervorragung sich erhebt, die Warze, bei den Thieren Zitze genannt. Auf der Warze münden die Ausführungsgänge der Milchdrüse in etwa 12 Oeffnungen, aus denen beim Säugen die Milch hervorfließt.

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