2.5 Die schwangere Gebärmutter

Fünftes Kapitel.

Die schwangere Gebärmutter.

§. 83.

Den Raum für das sich entwickelnde Ei giebt in der ersten Zeit der Schwangerschaft die Höhle des Gebärmutterkörpers allein her, dieselbe verwandelt ihre platte dreieckige Gestalt mehr und mehr in eine rundliche, indem ihre Wand an Dicke und Ausdehnung zunimmt. An dieser veränderten Ernährung nimmt auch gleich Anfangs der Hals der Gebärmutter Antheil; der obere Theil desselben wird wicker, während unten, an der Scheidenportion, durch die Auflockerung und Schwellung des Gewebes die zweilippige Form verloren geht, so daß der nun runde Muttermund als mittleres Grübchen rings von einem weichen Wall umgeben scheint.

§. 84.

In den ersten 10 bis 12 Wochen bleibt die Gebärmutter im kleinen Becken liegen. Sie sinkt durch ihre zunehmende Schwere etwas tiefer herab und der Grund wendet sich etwas nach hinten, so daß die Scheidenportion etwas weiter nach vorn und unten zu stehen kommt.

Nach der 10ten bis 12ten Woche hat die an Größe zunemende Gebärmutter im kleinen Becken nicht mehr bequem Raum, sie steigt in die Bauchhöhle hinauf. Indem der Gebärmuttergrund vor dem Vorberg hinauf aus dem kleinen Becken steigt, wendet sich derselbe mehr nach vorn gegen die Bauchwand; dadurch kommt von jetzt an die Scheidenportion immer höher und mehr nach hinten zu stehen. Die vordere Wand der Gebärmutter bleibt nun bis an's Ende der Schwangerschaft an der vorderen Wand des Bauches anliegen, die früher hier gelegenen Gedärme werdn nach hinten und zur Seite geschoben, dadurch wird der Bauch schon vor der Mitte der Schwangerschaft bedeutend breiter.

Nach der Mitte der Schwangerschaft, um die 24ste Woche, steht der Grund der Gebärmutter in der Höhe des Nabels.

§. 85.

Bis dahin ist die Höhle der Gebärmutter länglichrund, Fig. 20. a. b. Von nun an nimmt sie mehr und mehr eiförmige Gestalt an. Das geschieht dadurch, daß jetzt auch der Mutterhalskanal vom inneren Muttermund an immer mehr und mehr nach unten sich so erweitert, daß dadurch die Gebärmutterhöhle verlängert wird. Fig. 10. ac. ad. ae. Durch diese Verwendung des Gebärmutterhalses wird derselbe und also zuletzt auch die zu ihm gehörige Scheidenportion immer kürzer, sie „verstreicht“.

§. 86.

Mit der 36sten Woche der Schwangerschaft, manchmal auch erst in der 37sten oder 38sten, erreicht die Gebärmutter ihre größte Höhe; sie füllt die ganze vordere Wand des Bauches bis an die Herzgrube. Jetzt tritt eine eigenthümliche Erscheinung ein, durch welche die Gebärmutter sich zur Geburt vorbereitet. Sie senkt sich, das heißt, sie tritt weiter nach unten und mit dem Grund weiter nach vorn. Dadurch kommt es, daß der seht verdünnte untere Abschnitt der Gebärmutter mit dem darinliegenden Kindestheil vom Scheidengewölbe aus deutlicher zu fühlen ist, daß die Muttermundsöffnunf wieder tiefer, aber zugleich noch weiter nach hinten zu stehen kommt, daß die Bauchdecken, die vorher bis in die Herzgrube hinauf stark gespannt waren, jetzt oben wieder schlaff werden; das sind alles Erscheinungen, auf die wir später, weil sie nebst anderen zur Erkennung der Schwangerschaftszeit wichtig sind, wieder zurückkommen müssen. (Siehe Fig. 33.)

§.87.

Die Gebärmutter hat am Ende der Schwangerschaft so viel an Gewicht zugenommen, daß sie ohne ihren Inhalt etwa 2 Pfund wiegt. Ihre Gestalt ist um diese Zeit breit-eiförmig, das schmalere Ende unten am Muttermund, das breitere am Gebärmuttergrund. Vom Muttermund bis zum Grund mißt die Gebärmutter 12 Zoll, von der vorderen Wand zur hinteren an der weitesten Stelle 8 Zoll, von der rechten Seite zur linken an der breitesten Stelle 9 Zoll.

§. 88.

Die schwangere Gebärmutter steht nicht ganz gerade im Leib der Mutter; der Grund derselben liegt regelmäßig etwas nach der rechten Seite hinüber, die vordere Wand der Gebärmutter sieht nicht gerade nach vorn, sondern etwas nach rechts, so daß die linke Seitenfläche der Gebärmutter, also die Stelle, wo die linke Muttertrompete und der linke Eierstock ansitzen, weiter nach vorn steht, als die entsprechende Stelle der rechten Seite. Diese Form- und Lagerverhältnisse sind, wie wir gleich sehen werden, für das Kind von Bedeutung.

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