header photo Allergien gab es früher nicht?

Oh doch, Allergien gab es schon immer. Sie hatten nur andere Namen. Mitunter wurden auch die Auslöser erkannt, insbesondere wenn es sich um Lebensmittel handelte, aber die Mechanismen dahinter sind bis heute noch nicht vollständig erforscht.

Bei Allergien die sich auf der Haut äußern ähnelt der Ausschlag nicht selten dem, der bei der Berührung einer Brennessel entsteht. Darum wurden solchen Reaktionen oftmals die Namen Nesselsucht, Nesselfieber oder Nesselfriesel gegeben. "Friesel" ist ein anderes Wort für "Ausschlag".

"Die Nesselsucht, Nesselfieber
ist ein lästig juckender Hautausschlag, der in Gestalt von weißen, mit einem roten Rande umgebenen Schwielen oder Quaddeln auftritt und nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, doch hauptsächlich vom weiblichen Geschlechte, befällt. Meistens entsteht die Krankheit durch irgend einen Diätfehler oder durch Gemütsbewegungen, durch kaltes Baden und durch unterdrückte Hautausdünstung. Gewisse Personen haben die Eigentümlichkeit, durch Genuß bestimmter Speisen oder auch Arzneimittel jedesmal an Nesselsucht zu erkranken. Zu den Speisen, die diese sonderbare Wirkung haben, gehören die Erdbeeren, Krebse, Austern, Gurken, Käse, auch Schweinefleisch und Würste. Der Ausbruch der Nesselsucht geschieht unter gelinden Fieberbewegungen meist sehr schnell und am stärksten zeigt sich der Ausschlag gewöhnlich auf der Brust und den Armen. Die Krankheit ist weder gefährlich noch ansteckend, doch ist sie lästig wegen der innern Angst, des steten Juckens, das nach dem Kratzen ein gelindes Brennen hinterläßt, und wegen des Mangels an nächtlicher Ruhe. Nachdem die Nesselsucht einige Tage gedauert, verschwindet sie gewöhnlich ebenso schnell, wie sie erschienen war, womit jedoch zuweilen etwas Schwindel oder ohnmachtähnliche Hinfälligkeit, die jedoch nicht von Bedeutung, verbunden ist. Das Jucken auf der Haut währt oft noch einige Zeit nach dem Verschwinden des Ausschlages fort, das ohne Abschuppung von statten geht.
Bei heftigem Auftreten der Krankheit und bei bestehendem Fieber halte man den Patienten bis nach abgelaufenem Auschlage im Bette. Dabei gebe man eröffnende Mittel, welche jedoch nicht zu stark wirken sollen, vermeide alle schwer verdaulichen Nahrungsmittel und lasse den Kranken bloß leichte Suppen genießen. Heftig juckende Stellen pudere man mit Mehl, mit Mandelkleie oder Reismehl, oder wasche sie mit Goulardschem Wasser oder mit Wasser, das man mit Essig oder Zitronensaft versetzt hat."

Das Buch der Mütter, Marie Susanne Kübler, 1891

"Nesselfriesel, Nesselsucht, lat. Urticaria, fr. Urticaire. Unter dem peinlichsten Brennen u. Jucken entsteht ziemlich plötzlich ein Ausschlag. Es entstehen harte, merklich erhabene, in der Mitte weiße, am Rande, wo sie in die flache Haut verlaufen, röthliche Flecke. Diese haben bisweilen nur die Größe einer Linse, bisweilen die eines Gulden, sie sind gewöhnlich rundlich, nicht selten aber eckig u. dann u. wann striemenförmig. Durch Reiben der Haut wer den sie stärker hervorgelockt, u. es giebt Fälle, wo es hinreicht, mit dem Nagel über die Haut zu fahren, um eine Schwiele hervorzubringen, welche den Gang des Fingers nachweist. Die Flecken zeigen sich manchmal nur an einem Theile des Körpers, häufiger über den größten Theil der Hautfläche. Schreiber dieses, welcher das Uebel in seltener Heftigkeit hatte, fühlte das Jucken im Auge, im Ohr, im Munde, die Zunge war wahrscheinlich mit wirklichen Flecken bedeckt, denn sie erregte das Gefühl des Geschwollenseyns u. behinderte die Sprache beträchtlich. Gewöhnlich vergeht das N. sehr bald, u. selbst der angeführte heftige Fall verlor sich binnen einigen Stunden ganz. Gewöhnlich ist das Uebel flüchtig, vergeht sehr schnell u. kommt schnell wieder, nur selten bleibt es Tage lang unverändert stehen. Die Flecken verschwinden spurlos. Das N. verbindet sich, wenn es in heftigem Grade auftritt, mit mehrern Krankheitszeichen, Blutwallung, selbst Fieber mit auffallender Abgeschlagenheit der Kräfte, die bis zur Ohnmacht sich steigern kann. – Der Ausschlag ist nicht ansteckend. Er entsteht fast nur bei Personen, welche eine besondere Anlage dazu haben, bei diesen auf die geringste Veranlassung, Ueberladung des Magens, Erhitzung, durch die bloße Bettwärme, nach dem Genuß von Krebsen, Erdbeeren, Gänsefleisch u.sw., zuweilen ohne alle nachweisliche Ursachen. Das Uebel ist peinigend, aber gefahrlos. Die Medicin besitzt kein Mittel gegen den N. u. der Arzt kann nur gegen die Complicationen des Ausschlags mit andern Krankheiten verfahren. Zuweilen verschwindet die Disposition zu dem Uebel von selbst, wo es da ist, hat man sorgfältig auf die Gelegenheitsursachen zu achten u. diese zu meiden. Große Erleichterung fand Schreiber dieses darin, sich mit einem Stück groben wollenen Zeuge über den ganzen Körper zu frottiren. Das an einzelnen Stellen unerträgliche Jücken vertheilt sich dadurch als ein mäßiges Brennen über die ganze Haut, u. scheint auch schneller vorüber zu gehen."

Das Hauslexikon - Vollständiges Handbuch praktischer Lebenskenntnisse für alle Stände - 6. Band, 1837

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