header photo Beikostempfehlungen durch die Zeit: 1798

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Anleitung für Landleute zu einer vernünftigen Gesundheitspflege", 3. Auflage, Heinrich Felix Paulitzky, 1798

Ende des 18. Jahrhunderts empfahl Heinrich Felix Paulitzky, nicht vor dem vierten oder fünften Monat Beikost zu geben. Mit sechs Monaten bekommt das Kind höchstens eine Breimahlzeit und ansonsten die Brust. Erste Beikost ist ein Getreidebrei aus alten Brötchen mit Milch oder Wasser. Die Breie werden zwar speziell für die Kinder zubereitet, generell sind Breie aber auch fester Bestandteil des Essens der Erwachsenen, so dass man die Breigabe als Heranführung an den Familientisch auffassen kann.

Das Abstillen ist für Paulitzky ein von der Beikost weitgehend unabhängiger Prozess. Die Mutter wählt einen Zeitpunkt, zu dem sie abstillen will, und gibt von heute auf morgen nicht mehr die Brust. Das Abstillen soll aber erst stattfinden, wenn das Kind die ersten Zähne hat. Nach dem Abstillen bleibt (Tier-)Milch ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.

Wenn das Kind anfängt zu krabbeln, wird der Speiseplan erweitert. Nun gibt es auch Fleischbrühen, Wurzeln (Möhren und Kohlrabi) und Gemüse. Von Kartoffeln, Hülsenfrüchten und fetthaltigen Speisen wie Kuchen oder Pfannkuchen wird abgeraten.

Man kann schon die ganz kleinen Kinder an einige Ordnung gewöhnen. Man gebe ihnen des Tags hindurch nur alle zwey oder drey Stunden zu trinken, und über Nacht nur ein- oder zweymal. Man muß sie eben so oft an eine wie an die andre Brust legen. Es schadet nicht, wenn ein Kind an der Brust einschläft, nur darf man es dann nicht lange daran liegen lassen. Am mehresten muß sich die Mutter davor hüten, daß sie das Kind nicht des Nachts im Bette an der Brust liegen lasse, und selbst darüber einschlafe.

So lange das Kind mit der Muttermilch zufrieden ist und dabey zunimmt, so lange ists nicht rathsam, daß man ihm nebenher noch zu essen gebe: allein wenns einmal über drey bis vier Monate alt ist, wenn es stark wächst, die Brüste ausleeret und doch nicht satt davon wird, so muß man ihm beyher auch noch sonst was geben.

Die beste Nahrung, die man ihm noch außer der Brust geben kann, besteht in Weck- (Semmel-)krümmeln, oder Krümmeln von weißem gut aufgebackenem Brod, die man auf einem Reibeisen klar reibet, und in bloßem Wasser zu einem dünnen Brey kocht. Der Weck muß aber nicht neubacken, sondern schon alt und trocken seyn. Man kann etwas frische Milch dazu thun, oder die Weckkrümmeln mit Milch weichen, oder auch, wenn das Kind Säure hat, mit Fleischbrühe kochen. Der gewöhnliche Milchbrey ist den Kindern nicht nachtheilig, wenn man ihn nur ordentlich zubereitet, und die Kinder nicht damit überfüllet. Man muß das Mehl vorerst auf einer Pfanne über gelindem Kohlfeuer trocknen. Der Brey muß dünne bleiben, oder doch auch recht gahr gekocht werden. Man darf keine Butter und kein Schmalz daran thun. Auch die abgekochte Habergrütze mit Milch gemischt, ist eine gute Nahrung für Kinder.

Man darf zu allem ihrem Essen keine Butter, Gewürze, oder Zucker thun. Das Fett können sie noch nicht verdauen, die Gewürze sind zu hitzig für sie, und der Zucker verursacht leicht Säure. Diejenigen Kinder, denen man die Speisen mit vielem Zucker versüßet, bekommen gewöhnlich Grimmen und grünen Durchfall davon. Es ist überhaupt sehr überflüssig, daß man den Kindern ihr Essen schmackhaft machen will; sie haben gewiß nicht den nämlichen Sinn für dasjenige, was wohl und übel schmecket, wie die Erwachsenen.

Man darf die Kinderspeisen nicht zu lange aufheben, weil sie leicht sauer werden, und eben deswegen muß man die Gefäße zum öfters reinigen, worin man sie kocht oder aufbehält.

Es ist genug, wenn man einem Kinde im Anfang, bis es ohngefähr ein halbes Jahr alt ist, täglich nur einmal zu essen giebt, und auch dann darf es nicht zu viel bekommen. Nach dem Essen darf man ihm nicht gleich wieder die Brust reichen, und so auch umgekehrt, nicht gleich aufs Trinken zu essen geben. Es ist am besten, wenn man es wenigstens eine Stunde lang warten läßt, damit die vorhergenossene Speise oder die Milch größtentheils verdaut worden, ehe es was Frisches in den Magen bekommt. Man sollte auch den Kindern allemal den Mund auswaschen, so oft sie gegessen haben.

Die Mütter und Kinderwärterinnen haben die üble Gewohnheit, daß sie jeden Löffelvoll von den Speisen des Kindes zuerst in den Mund nehmen, wo sich denn allemal etwas von ihrem Speichel dazu mischet. Wenn sie nun nicht recht gesund sind, oder wenn sie einen unreinen Mund haben, so ist ihr Speichel nicht milde und kann dem Kinde schädlich werden.

Gegen die Zeit, wo man das Kind entwöhnen will, muß man seine Speisen ein wenig dicker machen; es gewöhnt sich desto eher von der Brust. Wenn es zum letztenmal angelegt wird, so kann man die Warzen mit etwas Bitterem, z. B. mit einer dicken Abkochung von Wermut, bestreichen; es wird sobald nicht mehr nach der Brust verlangen.

Man sollte kein Kind eher entwöhnen, als bis es die ersten Zähne bekommen hat. Geschiehet es zu frühe, so wirds leicht schwach und kränklich, weil es andere Nahrung noch nicht so gut vertragen kann, als die Muttermilch. Es ist daher meistens dem künftigen Wachsthum und der Gesundheit des Kindes nachtheilig, wenn es vor der vierzigsten Woche entwöhnt wird. Aber es ist auch für die Mutter nachtheilig, wenn sie ihr Kind über ein Jahr säugt. Sie verliert zu viele Säfte; der Körper, und vornehmlich die Eingeweide des Unterleibes, werden geschwächt, wenn sie ihr Kind zu lange säugt. Man hat auch bemerkt, daß das allzugange Säugen der Gesundheit und den Verstandeskräften der Säuglinge nachtheilig gewesen ist. Wenn eine Mutter durch das Säugen krank wird, oder während desselben in eine Krankheit verfällt, bey der sie die Milch verliert, oder wobey die Milch schlecht und ungesund wird, so muß das Kind entweder früher entwöhnt werden, oder man muß es durch eine gesunde Amme säugen lassen.

Auch für entwöhnte Kinder ist die Milch noch die beste Kost: man kocht ihnen Müse und Breie davon mit weißem Brod, getrocknetem Mehl, Habergrütze, Gerste, gestoßenem Reiß u. dergl. Man läßt sie frischgemolkene Milch so für sich, oder mit Wasser vermischt trinken; man kann ihnen dann und wann auch reine und frische Buttermilch geben.

Gleich nach der Entwöhnung muß eine gute Ordnung im Essen eingeführt werden. Man muß dem Kinde öfters, aber niemals zu viel auf einmal und nicht alles geben, was es verlanget; denn es ist sehr nachtheilig, wenn man es mit Speisen vollstopft, oder zum Essen nöthiget, wenn es keinen Appetit hat. Es kommen viel mehr Kinderkrankheiten vom Verfüttern her, als von der schlechten Beschaffenheit der Speisen. Man darf nicht glauben, daß ein Kind desto stärker und um so mehr zunehmen werde, wenn es viel isset. es erfolgt gerade das Gegentheil, wenn man ihm mehr giebt, als es verdauen kann. Dann wird der Magen geschwächt, die Speisen verderben, die Gedärme werden mit Unreinigkeiten angefüllet, die zu einer Menge von Krankheiten Gelegenheit geben. Man gebe ihm etwa alle zwei Stunden einmal, und dann zur Sättigung in der Zwischenzeit nichts. Zu lange darf man es auch nicht hungern lassen; denn sonst überladet es sich hernach.

Sobald die Kinder sich selbst Bewegung machen können, so kann man ihnen schon mancherley Speisen geben, z. B. Haberschleim, Gerstenschleim, dünne Milch- und Mehlspeisen, Reißsuppen, Fleischbrühen, selbst etwas zartes Fleisch, gelbe Rüben, Kohlraben, Haberwurzeln, Gemüse. - Man gibt ihnen anfangs dünnere Speisen und gewöhnt sie nach und nach an härtere.

Aber ganz grobe Sachen, Kartoffeln, trockne Erbsen und Bohnen, die dicken klerschrigen Mehlspeisen, Klöse, Wasserklöse, fette Kuchen, Pfannkuchen, frisches teigiges Brod, Speck, harter Käse etc sind kleinen Kindern zur gewöhnlichen Nahrung nicht zuträglich. Bey starken, nicht verzärtelten Kindern, die viele Bewegung haben, merkt man zwar nicht sobald, daß sie sich übel darauf befinden: ihr Magen verarbeitet einen Theil dieser Dinge, und was nicht verdauet werden kann, das schafft die gute Natur wieder fort; aber nach und nach wird doch die Verdauung geschwächt, die Kinder bekommen Verschleimung der Gedärme, dicke Bäuche, Würmer, Grimmen, Gichter, die Dürrsucht etc.
Es giebt kein besseres Getränke für Kinder, als reines Wasser. Auch Brodwasser, Wasser mit Milch gemischt, Buttermilch - kann man ihnen zu trinken geben; aber keinen Kaffee, Wein, und am allerwenigsten Branntwein; denn dieser ist Gift für sie.

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