header photo Die Masern vor der Entdeckung des Impfstoffes

Masern sind selten geworden. Das ist gut so. Doch der Mensch vergisst leicht und so reicht eine Generation mit nur wenigen Masernfällen aus, um die Gefahr dieser Krankheit zu unterschätzen.

Eltern sind hin und her gerissen zwischen Impfen und Nicht-Impfen. Sie wollen Schaden von ihren Kindern fern halten. Doch es ist schwierig, Informationen über die Impfungen und die Krankheiten zu bekommen, ohne zwischen die Lager der Impfgegner und Impfbefürworter zu geraten. Die Informationen scheinen nie neutral zu sein, und so wandelt sich die Impffrage dahin, welchem Lager man mehr Glauben schenkt. Überwiegt die Angst vor der Krankheit oder die Angst vor der Impfung?

Neutral waren aber diejenigen, die keine Impfung kannten. Ich habe da zufällig einige von hier. Lassen wir also Leute zu Wort kommen, die garantiert von keiner Lobby gekauft waren.

Einige wichtige Vorbemerkungen möchte ich noch machen.

  • Diese Texte sind nicht wissenschaftlich. Sie sind von persönlichen Meinungen und zeitgenössischen Ideen geprägt. Diese Meinungen und Ideen können falsch sein.
  • Damals wurden noch keine Statistiken über Masernerkrankungen geführt. Das heißt, wenn eine Komplikation der Masern als "selten" eingestuft wurde, dann muss sie doch häufig genug vorgekommen sein, um ohne Statistik als solche erkannt zu werden. Wir sprechen hier also eher von Wahrscheinlichkeiten in der Größenordnung 1:100 als 1:10.000.
  • Vor der Entdeckung des Virus konnten Spätfolgen wie die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) offensichtlich nicht als Folge der Masern erkannt werden. Ihrem Fehlen in den Beschreibungen ist demnach keine weitere Bedeutung zuzumessen.
  • Auf gar keinen Fall soll das hier Beschriebene als Anleitung für Vorbeugung, Behandlung oder Krankenpflege betrachtet werden. Das ist gefährlich!

Erreger
Infektion
Disposition
Inkubationszeit
Krankheitsbild und -verlauf
Komplikationen
Epidemien
Schutz
Pflegemaßnahmen
Sonstiges

Erreger

Virus, entdeckt 1954; erster Impfstoff ab 1963 erhältlich. Quelle

Infektion

1964
"Direkte Übertragung (Tröpfcheninfektion). Auch indirekte Übertragung kommt gelegentlich vor. So ist Verschleppung der Masern durch strömende Luft beobachtet worden."
Werner Catel

Disposition

1964
"Sehr groß; nur junge Säuglinge sind im allgemeinen nicht empfänglich, da während der Fetalzeit (s.S. 136) Schutzstoffe aus dem Blut der Mutter (sofern diese früher an Masern erkrankt war) durch die Plazenta in den kindlichen Körper übergehen. Dieser passive Schutz gegen Masern erlischt etwa 3-5 Monate nach der Geburt. Am häufigsten erkranken Kinder zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr."
Werner Catel

1939
"Die Masern sind außerordentlich ansteckend und infolgedessen sehr verbreitet. Die Ansteckungsmöglichkeit ist so groß, daß schon ein kurzer Aufenthalt im Zimmer eines Kranken genügt, um eine Infektion hervorzurufen. Dagegen findet durch Zwischenpersonen im allgemeinen keine Übertragung statt. Einmaliges Überstehen schützt mit ziemlicher Sicherheit vor einer zweiten Erkrankung, doch kommen nach zuverlässiger Beobachtung auch wiederholte Masern vor."
Dr. med. Luise von Seht

1892
"Masern sind in hohem Grade ansteckend für solche, die sie noch nicht durchgemacht haben, nur Kinder unter einem Jahre erfreuen sich einer relativen Immunität, namentlich solche unter fünf Monaten, wenn sie aber ergriffen werden, so ist ihnen die Krankheit besonders gefährlich. Dieser höhere Grad von Gefahr erstreckt sich auf das zweite, und in geringerem Grade auch auf das dritte Lebensjahr."
Dr. Ernst Brücke

1892
"Die Masern stecken auch dann schon an, wenn noch kein Ausschlag erkennbar ist, ja schon zu einer Zeit, wo das Unwohlsein noch so wenig charakteristisch ist, dass man, wenn keine Masern herrschten, gar nicht auf die Vermuthung kommen würde, dass es sich um solche handelt; aber die ziemlich zahlreichen Fälle, in denen Isolierung von Geschwistern anscheinen noch genützt hat, nachdem der Ausschlag schon erkannt war, macht es doch wahrscheinlich, dass die Krankheit in jenem vorläufigen Stadium weniger ansteckend ist, als etwas später."
Dr. Ernst Brücke

1891
"Die Masern, Kinderflecken, fälschlich auch Rotsucht oder Friesel genannt, die häufigste von allen epidemischen Krankheiten des Kindesalters. Sie erscheinen gewöhnlich alle 5-6 Jahre in einer Gegend und befallen dann meist alle Kinder vom Säuglingsalter an, welche diese Krankheit noch nie gehabt haben, ausnahmsweise auch ein Kind zum zweiten- oder drittenmal. Von der Geburt bis zum Alter von einem Jahre und besondes in den ersten sechs Lebensmonaten sind die Masern sehr selten; bei einer Epidemie wird mehr als ein Drittel der Kinder im Alter von 1-2 Jahren von derselben ergriffen, am häufigsten erkranken Kinder von 3-10 Jahren an den Masern, vom elften bis fünfzehnten Jahre nimmt die Neigung zur Erkrankung rasch ab; auch werden mehr Knaben als Mädchen von der Epidemie befallen."
Marie Susanne Kübler

1832
"Die Masern, die man auch hin und wieder Flecken, rothe Flecken nennt, gehören gleichfalls zu den hitzigen Ausschlagskrankheiten, welchen nicht leicht ein Kind entgeht. Da wir nicht so glücklich sind, gegen diese Krankheit, die in manchen Epidemien sehr gefährlich ist, ein Sicherungsmittel zu besitzen, wie wir es durch die Kuhpockenimpfung gegen die Menschenblattern haben, so ist es um so nöthiger, die Kennzeichen, den Gang, und die Natur dieser Krankheit kennen zu lernen."
Adolph Henke

Inkubationszeit

1964
11 Tage.
Werner Catel

1939
13-15 Tage.
Dr. med. Luise von Seht

1892
"Die Zeit zwischen der Ansteckung und der Erkrankung wird zwischen sieben und vierzehn Tagen angegeben, letztere Zahl muss aber bis zum Aussbruche des Ausschlages gerechnet werden. Es sind dann in der Regel schon drei bis fünf Tage mehr oder weniger auffälligen Unwohlseins vorhergegangen."
Dr. Ernst Brücke

Krankheitsbild und -verlauf

1964
"Prodromalstadium: Dauer im allgemeinen 3 Tage. Während dieser Zeit besteht Fieber (Abb. 198); bei typischem Verlauf außerdem am 1. Prodomaltag Schnupfen, Bindehautkatarrh (Lichtscheu!), Bronchialkatarrh; am 2. Prodomaltag Kopliksche Flecke (weiße, bis stecknadelkopfgroße Flecke mit gerötetem Hof auf der Wangenschleimhaut); am 3. Prodomaltag Enanthem (sternförmige, rote Flecken auf der Schleimhaut der Mundhöhle).
Ausbruch des Exanthems am 4. Tage. Gleichzeitig erneuter Fieberanstieg (Abb. 198). Das Exanthem ist großfleckig, gezackt, rötlich, mitunter etwas bläulich gefärbt (Abb. 199); es beginnt hinter den Ohren und wandert über Gesicht, Stamm und Extremitäten. Die einzelnen Flecke können zusammenfließen, jedoch bleibt zwischen ihnen meist nochgesunde Haut sichtbar. Das Exanthem blaßt nach 2-3 Tagen in der Reihenfolge seines Auftretens wieder ab, ist aber in Form gelbbräunlicher Flecke nocheine Zeitlang (1 bis 3 Wochen) zu erkennen. Die Hautschilfert beim Abblassen des Ausschlags in feinsten Schuppen (kleienförmig) ab. Mit der Entfieberung (bei komplikationslosem Verlauf 4-5 Tage nach Ausbruch des Exanthems) erlischt die Ansteckungsfähigkeit. Auf der Höhe des Exanthems besteht im Blut eine Leukopie (s.S.44), im Urin ist die Diazoprobe positiv.
Auf Zunge und aufgelockertem Zahnfleisch befindet sich oft ein schmieriger Belag (Mundpflege!)."
Werner Catel

1891
"Die Masern sind eine scheinbar gutartige, mitunter aber in ihren Folgen bösartige Krankheit, die immer erst nach mehrtägigen Vorboten, welche sich in allgemeinem Unwohlsein äußern, zum Ausbruch kommt. Meistens tritt schon am ersten Tage des Unwohlseins ein Fieberanfall ein, von dem sich die Kinder oft wieder zu erholen scheinen, so daß sie sich wieder ihren Spielen hingeben und die gewohnten Spaziergänge machen. Nach einem oder mehreren Tagen stellt sich aber das Fieber mit Kopfschmerz, Husten, Heiserkeit, Schnupfen oder Nasenbluten von neuem ein. Die Augenlider sind infolge von Entzündung der Augenbindehaut etwas geschwollen, die Kinder scheuen das Licht und leiden an starkem Thränenfluß. Nicht selten beobachtet man bei den Vorboten eine Neigung zur Schlafsucht und ein ziemlich bedeutendes Darniederliegen der Kräfte. Oft treten auch Störungen des Nervensystems auf, die sich in Traurigkeit, mürrischem Wesen, Schwindel, in selteneren Fällen auch in Konvulsionen offenbaren. Nach 2-5 Tagen dieser Vorboten erfolgt unter stärkerem Fieber ein Ausschlag, indem am Kinn, den Wangen und im ganzen Gesichte kleine, höchstens linsengroße, flohstichähnliche, kreisrunde, rote Flecken erscheinen, welche in ihrer Mitte ein kleines Knötchen haben. Die in unregelmäßigen Haufen dicht bei einander stehenden und hier und da sogar zusammenfließenden Flecken verbreiten sich vom Gesicht aus sehr schnell, etwa in 6 bis 12 Stunden, auf den Hals und die ganze Körperoberfläche. Das Gesicht ist dann aufgedunsen und rot, die Augenlidränder sind entzündet, die Hitze ist stark, die Haut trocken, die Nase ist durch Schnupfen verstopft; die Kranken atmen durch den Mund; der Rachen ist entweder an einzelnen Stellen oder gleichmäßig gerötet und etwas schmerzhaft; es ist starker Durst, ein anhaltender, trockener, quälender Husten und zuweilen während des Nacht Aufregung oder Schlaflosigkeit vorhanden. Dieser Zustand dauert selten länger als 24-48 Stunden, am dritten oder vierten Tage nach seinem Ausbruch erblaßt der Ausschlag wieder und verschwindet in derselben Ordnung, wie er ausbrach. Mit dem Erblassen und Verschwinden des Ausschlages läßt auch das Fieber nach, Husten, Heiserkeit und Schnupfen werden mäßiger und der Appetitkehrt zurück. Nach 5-6 Tagen, oft aber auch viel später, erfolgt bisweilsen ganz unmerklich, eine unbedeutende kleien- oder staubartige Abschuppung der Oberhaut, die im Gesicht beginnt und sich nicht selten wochenlang hinauszieht. In allen Perioden des Kindesalters ist die Diarrhöe ein häufiger Begleiter der Masern, am häufigsten jedoch vor dem fünften Lebensjahre."
Marie Susanne Kübler

1832
"Die Kinder bekommen fliegende Hitze, Schauder und Frost, Rückenschmerzen, und mehr oder minder heftiges Fieber, das völlig einem Katarrhalfieber gleicht, und bis zum Ausbruch der Masern alle Abend heftiger wird. Vorzüglich aber stellen sich die Zufälle eines heftigen Katarrhes ein, und an diesen kann man die Krankheit erkennen, noch ehe der Ausbruch erfolgt. Ein heftiger Husten, Schnupfen, Heiserkeit, häufiges Niesen, Kopfweh über den Augenbraunen, Empfindlichkeit der Augen gegen das Licht, Zucken, schmerzhafte Empfindungen und Röthe derselben, Ausfluß einer scharfen Flüssigkeit aus Augen und Nase, sind die gewöhnlichen Zufälle. Dabei sind die Kinder sehr unruhig, können nicht schlafen, haben viel Durst, mögen nicht essen, und haben einen rothen flammenden Urin. Manche Kinder bekommen auch Erbrechen, das von Zeit zu Zeit wiederkehrt; andere werden von einer Diarrhöe befallen, die dünne wässerig-schleimige Ausleerungen bewirkt. Vollblütige Kinder bekommen während des Ausbruchsfiebers Nasenbluten, woburch sie sich meistens erleichtert fühlen. Bei sehr gelinden gutartigen Masern ist das Fieber oft sehr gering, so daß die Kranken nicht immer zu Bette liegen. Die katharrhalischen Zufälle fehlen aber niemals.
Am dritten Fiebertage bricht der Ausschlag hervor. Die Masern erscheinen meistens zuerst im Gesicht, das während des Fiebers aufgedunsen ist, haufenweise, dann am Halse und auf der Brust, auf den Armen, späterhin auf dem Unterleibe, dem Rücken und den Beinen, Sie zeigen sich anfänglich als kleine bleichrothe Flecken, die allmählig größer werden. Sie gehn nicht in Pusteln über wie die Blattern, jedoch kann man, besonders im Gesicht und auf der Brust, entdecken, daß sie ein wenig zugespitzt sind. Bei genauerer Untersuchung bemerkt man nämlich ein kleines Knötchen oder Hügelchen, sowohl durch das Gefühl als auch durch das Gesicht. An den übrigen Theilen sind sie flacher, doch auch etwas rauh anzufühlen. Binnen sechs und dreißig Stunden ist der Ausbruch gewöhnlich zu Ende, doch währt er auch zuweilen drei Tage. - Bei gutartigen Masern erfolgt nach dem Ausbruch eine bedeutende Erleichterung und Abnahme des Fiebers, doch dauert der beschwerliche Husten und das Leiden der Augen fort. Die Geschwulst des Gesichtes aber nimmt ab. Bei schlimmen bösartigen Masern nimmt das Fieber, so wie alle Zufälle nach dem Ausbruch noch zu. Der Ausschlag steht nun ohngefähr drei Tage lang. Die zuerst erschienenen Flecken verändern die Farbe, und werden blässer bräunlich, auch wohl gelb, die Geschwulst des Gesichts und der Augenlieder verliert sich, und die Flecken verschwinden im Gesicht zuerst, während sie noch an den übrigen Theilen in voller Blüthe stehen. Dieses geschieht am sechsten bis achten Tage der Krankheit, wo denn auch bei gutartigen Masern der Husten und die übrigen Zufälle nachlassen. Die Krankheit endet in dem gewöhnlichen Verlaufe mit der Abschuppung der Haut, die einige Tage fortwährt. Sie erregt heftiges Jucken, und die feinen Schuppen der abgestorbenen Oberhaut bedecken die ganze Haut, wie mit Mehl oder Kleien. Außer einer tieferen Röthe der Haut ist am neunten bis eilften Tage nichts mehr zu bemerken."
Adolph Henke

Komplikationen

1964
"Die Masern setzen die Widerstandskraft des Organismus gegen andere Infektionen stark herab, was zur Folge hat, daß häufig katarrhalische Komplikationen auftreten, z.B. Mittelohrentzündung oder katarrhalische Entzündung des Kehlkopfes und der Luftröhre ("Masernkrupp", gekennzeichnet durch bellenden Husten, Heiserkeit, Atemnot, die besonders bei der Einatmung besteht, s.S.40), ferner Bronchialkatarrh, Lungenentzündung. Von großer Bedeutung ist weiterhin die Verminderung der Widerstandskraft auch gegenüber dem Tuberkelbakterium. Deshalb ist Verschlimmerung einer bestehenden Tuberkulose während der Masernerkrankung nicht selten. Gelegentlich führt diese auch zu einer Gehirnentzündung (s.S.380)"
Werner Catel

1939
"Die Masern gelten im allgemeinen als leichte Krankheit! Zu recht und zu unrecht! Denn nicht die Masern an sich sind besonders gefährlich, sondern zu fürchten sind die häufig auftretenden Nachkrankheiten, die ein schlimme Wendung herbeiführen und das Leben des Kindes bedrohen können. Die Ursache dieses manchmal bösartigen Verlaufs liegt darin, daß die Masern in ungewöhnlich starkem Grad die Widerstandsfähigkeit des Körpers herabsetzen und die natürlichen Abwehrkräfte des Organismus gewissen Infektionen gegenüber erheblich schwächen. Dies gilt vor allem für die Erreger der Lungenentzündung, der Diphterie, der Mittelohrentzündung und der Tuberkulose."
Dr. med. Luise von Seht

1939
"Andererseits kommen auch manchmal sehr schwere Masernfälle vor. Unter starker Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens und hohem Fieber tritt bisweilen schon vor Ausbruch des Ausschlags ein sogenannter Croup auf und gestaltet das Krankheitsbild ernst, besonders dann, wenn es sich - wie es vorkommen kann - um einen echten Diphterie-Croup handeln sollte. Auch andere bösartig verlaufende Formen von Masern, die auf ein besonders stark wirkendes Gift schließen lassen, werden hin und wieder beobachtet, gehören jedoch glücklicherweise zu den Ausnahmen. Dagegen sind gewisse Nachkrankheiten nicht selten. Wenn nach Abklingen des Masernexanthems eine Entfieberung ausbleibt, das Kind nach wie vor hustet und der Appetit sich nicht einstellen will, liegt immer der Verdacht auf eine Komplikation vor."
Dr. med. Luise von Seht

1907
"Ich beginne mit dem verbreitetsten und am schwersten vermeidbaren Ausschlage, den Masern. Es galt bis vor wenigen Jahren förmlich als ein Fatum, daß nahezu jedes Kind diese Erkrankung durchmachen müsse und, falls dieselbe in einem Hause ausgebrochen sei, man sich nicht unnützerweise mit Schutzvorkehrungen bemühen solle, da diese ja ganz wirkungslos seien. Die relative Harmlosigkeit vieler Masernepidemien schien diesem Räsonnement eine gewisse Berechtigung zu geben, doch ließen sich anderweitige Erfahrungen gegen eine solche Denkweise ins Treffen führen. Erstens sind nicht alle Masernepidemien leichter Natur, im Gegenteil, man beobachtet, und zwar nicht selten, solche, die einen ganz mörderischen Verlauf nehmen, indem sie namentlich durch schwere Komplikationen verschiedenster Art ein ganz bedeutendes Prozent der Erkrankten hinwegraffen. Es ist weitere durch zahlreiche traurige Beispiele erhärtete Erfahrung, daß gewisse schlummernde Dispositionen durch eine Masernerkrankung geweckt werden, und gilt dies besonders von der Tuberkulose, die sich oft nach scheinbar leichter Maserninfektion einstellt und nach wochen- bis monatelangem Siechtum das Kind aus den Armen der Eltern reißt."
Adele Schreiber (Hrsg.)

1892
"Außerdem ist nach längerer Krankheit, namentlich nach Nervenfieber, Scharlach, Masern, Blattern, nach Entzündungskrankheiten, nach dem Keuchhusten, der Zustand der Zähne und der gesammten Sinneswerkzeuge, die Haltung des Körpers sammt Armen und Beinen beim Stehen, Gehen und beim Sitzen, selbst beim Urinlassen, beim Stuhlgang genau zu beobachten, damit in der Stille einherschleichende Nachkrankheiten bald erkannt und in ihrer Entstehung beseitigt werden können. Diese Nachkrankheiten sind entweder Nervenkrankheiten oder Krankheiten der Muskeln, der Sehnen und der Gelenkverbindungen und treten unter der Form der Lähmung, des Schwundes und der Gelenkverbildung auf. Auch stehen manche Ausschlagskrankheiten in einer verderblichen Beziehung zu den Sinnesorganen. Nach Masern entwickeln sich leicht Augenleiden, und das Scharlachfieber wird dem Gehörorgan durch innere Entzündung oder durch innere Eiterung gar zu leicht gefährlich. Ferner ist es zu empfehlen, den Zustand der Zehen und ihrer Nägel, und die Haut zwischen ihnen öfters zu untersuchen, weil diese Theile in gewissen Wachsperioden, in welche Krankheiten fallen, leicht erkranken. Endlich gehen gar nicht selten bei längeren Krankheiten manche Erziehungresultate der Aeußerlichkeit verloren, und genesende Kinder fallen in frühere fehlerhafte Angewohnheiten zurück, dahin gehören das Blinzeln mit den Augenlidern, das Schielen, das Zucken mit einzelnen Muskeln im Gesicht und an den Gliedmaßen, Erscheinungen, die bei strenger Aufsicht und Beachtung meist rasch wieder beseitigt werden können."
Dr. Friedrich August von Ammon, 1892

1891
"Die Masern sind eine scheinbar gutartige, mitunter aber in ihren Folgen bösartige Krankheit, die immer erst nach mehrtägigen Vorboten, welche sich in allgemeinem Unwohlsein äußern, zum Ausbruch kommt."
Marie Susanne Kübler

1832
"Selbst die gutartigen und gelinden Masern erfordern den Beistand des Arztes. Noch vielmehr ist aber dieser nothwendig, wenn die Krankheit sehr heftig, bösartig ist, und ungewöhnliche Zufälle sich dabei zeigen. Dergleichen sind, sehr heftiges Fieber, Irrereden, Seitenstechen und Brustbeklemmung; oder große Schwäche, Schlafsucht, Ohnmacht, Zuckungen u.s.f."
Adolph Henke

Epidemien

1892
"Früher galten die Masern für eine Krankheit, gegen die man geschützt sei, wenn man sie einmal durchgemacht hatte; in neuerer Zeit sind aber so häufige Fälle vom Gegentheile beobachtet worden, dass man den erwähnten Satz nicht mehr aufrecht erhalten kann. Die Regel bildet er allerdings, aber eine Regel mit unleugbaren und nicht so ganz seltenen Ausnahmen. Die meisten Erwachsenen haben einmal Masern durchgemacht, wenige gar nicht, wenige zweimal, und am seltensten sind diejenigen von denen angegeben wird, dass sie dreimal an solchen erkrankt seien. Hieraus erklärt es sich, dass in kleinen Ortschaften, die wenig Verkehr haben, manchmal Masern-Epidemien von einer Heftigkeit auftreten, wie sie in grossen Städten nie gesehen werden. Es geschieht dies in Fällen, in denen durch eine längere Reihe von Jahren gar keine Masern vorgekommen waren, und nun ein einzelner eingeschleppter Fall nach und nach alle Kinder ansteckt, die bereits ein Alter erreicht haben, in dem Disposition für die Krankheit vorhanden ist. Hatte die masernfreie Zeit lange genug gedauert, so erkranken auch Erwachsene. Die furchtbarsten Epidemien sind unter den Einwohnern einzelner Südsee-Inseln ausgebrochen, auf denen die Krankheit früher unbekannt war und dann durch Europäer eingeschleppt wurde. Sehr lehrreich war die von dem dänischen Arzte und Physiologen Dr. Panum auf den Faröern beobachtete Epidemie. Hier waren seit 1781 keine Masern beobachtet, als sich 1846 wieder solche zeigten. Im Verlaufe von sieben Monaten erkrankten bei einer Bevölkerung von 7782 Menschen 6000. Hier erkrankten auch die Kinder vom sechsten Monate an, während die unter fünf Monaten verschont blieben. Vollkommen sicher aber sind auch solche nicht, indem in anderen Epidemien einzelne Fälle von Masern an Kindern unter fünf Monaten beobachtet worden sind."
Dr. Ernst Brücke

1892
"Die Mehrzahl der Masern-Epidiemien fällt in die kalte Jahreszeit, (...). "
Dr. Ernst Brücke

1891
"Die Masern, Kinderflecken, fälschlich auch Rotsucht oder Friesel genannt, die häufigste von allen epidemischen Krankheiten des Kindesalters. Sie erscheinen gewöhnlich alle 5-6 Jahre in einer Gegend und befallen dann meist alle Kinder vom Säuglingsalter an, welche diese Krankheit noch nie gehabt haben, ausnahmsweise auch ein Kind zum zweiten- oder drittenmal. Von der Geburt bis zum Alter von einem Jahre und besondes in den ersten sechs Lbensmonaten sind die Masern sehr selten; bei einer Epidemie wird mehr als ein Drittel der Kinder im Alter von 1-2 Jahren von derselben ergriffen, am häufigsten erkranken Kinder von 3-10 Jahren an den Masern, vom elften bis fünfzehnten Jahre nimmt die Neigung zur Erkrankung rasch ab; auch werden mehr Knaben als Mädchen von der Epidemie befallen."
Marie Susanne Kübler

1832
"Die Masernepidemien herrschten vor der Einführung der Kuhpockenimpfung zuweilen in einer Gegend gleichzeitig mit den Pocken. Auch kommen sie öfters mit, oder bald nach dem Scharlachfieber vor. Uebrigens werden zwar vorzüglich die Kinder von den Masern befallen, aber auch Erwachsne, und besonders Frauenzimmer bekommen diese Krankheit nicht selten, wenn sie dieselbe in der Kindheit noch nicht überstanden hatten. Zu einer Zeit, wo man weiß, daß die Masern in einer Gegend oder Stadt epidemisch sind, muß man desto achtsamer auf die Kinder seyn."
Adolph Henke

Schutz

1964
"Ist auf einer Saalstation ein Patient an Masern erkrankt, so können die übrigen Insassen zwar nicht vor der Infektion, aber vor dem Ausbruch der Erkrankung dadurch geschützt werden, daß man ihnen Rekonvaleszentenserum (s.S.358) oder Erwachsenenblut oder Plazentaextrakt, neuerdings Gammaglobuline einspritzt; alle 4 Flüssigkeiten enthalten Schutzstoffe gegen die Masern. Der Schutz ist aber nur dann vorhanden, wenn die Einspritzung in den ersten 4 Tagen des Inkubationsstadiums erfolgt; er hält etwa 3 Wochen an.
Werner Catel

1939
"Es gibt eine sehr wirksame Schutzimpfung gegen Masern, nämlich eine Einspritzung mit dem menschlichen sogenannten "Rekonvaleszentenserum". Da dieses Serum jedoch relativ schwer zu beschaffen und in den meisten Fällen nicht gleich zur Hand ist, kann man einem Säugling oder Kleinkind, das eventuell vor Masern zu schützen ist, auch mütterliches oder väterliches Blut injizieren, vorausgesetzt, daß diese Masern durchmachten. Die Krankheit pflegt damit entweder gar nicht oder in so leichter Form aufzutreten, daß sie für das Kind gefahrlos verläuft."
Dr. med. Luise von Seht

1892
"Die Möglichkeit der Ansteckung dauert nach einem Gutachten, welches die Pariser Academie de me´dicine im Jahre 1883 nach den ihr bekannten Erfahrungen abgegeben hat, sechsunddreissig Tage, doch sind in neuerer Zeit Zweifel darüber laut geworden; einige glauben, dass schon bedeutend früher jede Ansteckungsgefahr aufhöre. Da sich bis jetzt keine massgebende Ansicht festgestellt hat, so muss man sich auf den behandelnden und somit verantwortlichen Arzt verlassen. Ich sage auf den behandelnden Arzt. Obgleich bei normal verlaufenden Masern nichts zu behandeln ist, so werden doch vorsichtige Eltern wegen der möglichen Zwischenfälle (d.h. Komplikationen, Anm. d. Red.) einen Arzt herbeirufen. In vielen Ländern sind sie dazu verpflichtet, und der herbeigerufene Arzt ist gehalten, den Krankheitsfall anzuzeigen."
Dr. Ernst Brücke

1892
"Was hat man nun zu thun, falls ein Kind sich die Masern in der Schule geholt hat? Soll man die übrigen Kinder von ihm isolieren? Wenn es ältere sind, nicht. Sie haben entweder die Masern schon durchgemacht, und dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie wieder angesteckt werden, oder dies war bisher noch nicht der Fall, dann ist es besser, dass sie jetzt angesteckt werden, als später. Anders verhält es sich mit jüngeren Geschwistern, namentlich wenn solche im zweiten, dritten oder vierten Lebensjahre darunter sind. Diese soll man, wenn es die Umstände erlauben, isolieren, weil sie im Falle der Erkrankung einer grösseren Gefahr ausgesetzt sind; aber die Isolierung muss, wenn sie sicher wirksam sein soll, eine vollständige und eine rechtzeitige sein. Die Kinder, die geschützt werden sollen, müssen wo möglich in ein anderes Haus gebracht werden und jegliche Art directen oder indirecten Verkehrs ausgeschlossen werden, denn die Masern stecken an nicht nur durch gesunde Menschen, welche mit dem Kranken in Verkehr gewesen sind, sondern auch durch leblose Gegenstände. Es sind Fälle dieser Art zwar nicht häufig, aber es wird von guten Schriftstellern erwähnt, dass sie vorkommen. Von einem Theile der Aerzte wird freilich die Uebertragung durch Gesunde geleugnet, und bei der Seltenheit derselben ist jedenfalls schon dadurch viel geschehen, dass die übrigen Kinder vom Krankenzimmer ferngehalten werden, aber rechtzeitig muss dafür gesorgt werden. Natürlich wird es nicht früher geschehen, als die Krankheit erkannt worden ist; aber in Zeiten von Masern-Epidemien wird man meist schon durch den Katarrh und das plötzlich einsetzende Fieber gewarnt. Wenn der Ausschlag *) einmal in voller Blüte ist und das Zimmer mit seinem eigenthümlichen Geruche nach gerupften Gänsefedern erfüllt, ist es zu spät. Freilich kann auch dann noch die Isolierung berwerkstelligt werden, aber mit so geringer Aussicht auf Erfolg, dass sie nicht mehr anzurathen ist; denn wenn nun die getrennten Kinder erkranken, so macht dies den Eltern doppelte Sorgen.
*) Er zeigt sich gewöhnlich zuerst im Gesicht, anfangs in Gestalt von hirsekorngrossen Flecken, ähnlich solchen, wie man sie auf weissem Fliesspapier hervorbringen kann, wenn man dasselbe mit einer spitzen, in verdünnte rothe Tinte geteauchten Feder betupft."
Dr. Ernst Brücke

1832
"Zur Verhütung der Krankheit können die Aeltern, da die Masern ansteckend sind, nichts thun, als die gesunden Kinder von aller Gemeinschaft mit den Masernkranken zu bewahren."
Adolph Henke

Pflegemaßnahmen

1964
"Die früher bei Masern (S.360ff.) wegen der Lichtscheu vorgenommene Abdunklung des Krankenzimmers ist enbehrlich. Bett mit dem Kopfende zum Fenster stellen, damit Kind nicht unmittelbar ins Helle sehen muß.
Gute Durchlüftung des Raumes.
Pflege der Mundhöhle: Häufige Spülungen mit Kamillen- oder Salbeitee, besonders nach den Mahlzeiten. Reinigung der Zunge durch Bestreichen mit Zitronenscheiben.
Besondere Desinfektion des Krankenraumes nach Genesung des Patienten bzw. seiner Entlassung aus dem Krankenhaus ist nicht erforderlich; gründliches Reinigen mit Wasser und Seife, gute Durchlüftung des Raumes."
Werner Catel

1892
"In solchen Fällen, die ohne ärztlichen Rath verlaufen, thuen die Angehörigen am besten, wie es die Aerzte im Anfange dieses Jahrhunderts vorschrieben, den Patienten, solange der Ausschlag vorhanden ist, nicht zu waschen, auch nicht an Gesicht und Händen. Dies Verfahren ist weder das angenehmste noch das reinlichste, aber für den Laien das sicherste. Man lässt den Kranken im mässig verdunkelten Zimmer bei 15° Réaumur oder 19° Celsius liegen ohne ihn in seiner Nahrung mehr zu beschränken als dies das Fieber verlangt. Ventiliert muss ein solches Krankenzimmer werden, aber mit Vorsicht. Am unbedenklichsten durch Unterhalten von Feuer in dem von innen zu heizenden Ofen, ein solcher ist, wenn er gut zieht, ein kräftiger Ventilator, dann durch vorgewärmte Luft, indem man im Nebenzimmer eine Weile die Fenster öffnet, sie wieder schliesst und später die Thür öffnet, welche es mit dem Krankenzimmer verbindet. Der Kranke ist durch vorgestellt Schirme gegen Zugluft zu schützen. Wo sich Gas-Ventilatoren befinden, sind sie dauernd im Gange zu erhalten."
"Nach den Masern bleibt noch monatelang eine Empfindlichkeit gegen Erkältung zurück, namentlich kalte Bäder sind zu fürchten.
Eine den Krankheitsverlauf überdauernde Ansteckungsgefahr wie solche von Blattern und von Diphterie bekannt ist, scheint bei den Masern nicht zu existieren. Es ist kein Beispiel bekannt, dass mit Sicherheit auf eine solche schliessen lässt. Man hat deshalb auch keine Ursache, nach Masern zu desinficieren, wo dieses nicht behördlich angeordnet ist. Hiermit fällt auch die Nothwendigkeit des Bades weg, welches seinerzeit als Desinfections-Massregel von den Aerzten angeordnet wurde."
Dr. Ernst Brücke

1832
"Bei Masern ist zur glücklichen Ueberstehung der Krankheit ein gehöriges Verhalten und eine passende Diät von der größten Wichtigkeit. In Hinsicht des Verhaltens ist eine gleichmäßige, weder zu warme noch zu kalte Temperatur die Hauptsache, so daß jeder plötzliche Wechsel von Wärme und Kälte, und mithin Erkältung vor allen Dingen vermieden wird. Die Masern gehören nämlich zu den flüchtigen Ausschlägen, welche sehr leicht zurücktreten, wodurch, wenn auch nicht immer, bedenkliche und gefährliche Zufälle veranlaßt werden können.
Eine mäßige und sich immer gleichbleibende Wärme (zu 15 bis 16° Réaumur) ist also eine Hauptbedingung, und Zugluft ist auf alle Weise zu vermeiden. Niemand der aus der kalten Luft kommt, darf sich unmittelbar dem Kranken nähern. Das Bett muß so gestellt seyn, daß die beim Oeffnen der Thüre eindringende Luft nicht auf das Bett treffen kann. Zu große Wärme, worin ängstliche Mütter gar gern übertreiben, ist aber ebenfalls schädlich. Um die Erkältung am sichersten zu vermeiden, ist nichts besser als die Kranken leicht bedeckt, aber ruhig, im Bett zu erhalten. Bei unruhigen Kindern muß deshalb bei Nacht stets Jemand wachen, damit sie sich nicht durch Abwerfen der Decken erkälten.
Die Diät muß milde, reizlos und wenig nährend seyn. Fleischspeisen sind, ohne ausdrücklichen Rath des Arztes, zu untersagen. Schleimige Suppen, leichte Gemüse, Hafergrütze, Gerste, Reis, Graupen, auch wohl gekochtes gutes Obst sind am passendsten. Zu Getränken, welche nie ganz kalt seyn dürfen, dienen Milch mit Wasser, Gersten- und Haferschleim, Reiswasser, Thee von Fliederblumen, sogenannter Brustthee u.s.f. Säuerliche Getränke sind des Hustens wegen zu vermeiden. Der Wein ist in der Regel schädlich, und darf nur in einzelnen Fällen, auf Verordnung des Arztes, gegeben werden.
Wegen der Empfindlichkeit der Augen gegen das Licht, muß das Zimmer verdunkelt werden. Das lästige Brennen bei dem Thränenfluß wird durch fleißige Bähungen von warmer Milch oder Fliederthee gemildert. Sollten die Masern plötzlich zurückgetreten seyn, und üble Zufälle eintreten, so ist die schleunigste Hülfe des Arztes nothwendig. Bis dieser herbei kommt, ist es gut den Kranken warmen Fliederthee trinken zu lassen, ihn mit durchräucherten wollnen Tüchern zu reiben, ein warmes Bad (allenfalls mit Zusatz von Senf) anzuwenden, oder wenn es ein Kind ist, dasselbe in wollne Tücher, die in heißen Brandwein getaucht sind, einzuwickeln. Damit der oft nach den Masern noch längere Zeit zurückbleibende Husten, nicht die Brust angreife und Schwindsucht veranlasse, ist es nothwendig, die Genesenen auch nach völliger Abtrocknung des Ausschlags, vierzehn Tage lang nicht in die freie Luft zu bringen."
Adolph Henke

Sonstiges

1939
"schon oft haben mir Mütter gesagt: "So schlimm habe ich mir die Masern nicht vorgestellt!""
Dr. med. Luise von Seht

1939
"Der Schulbesuch ist erst nach drei Wochen nach Erkrankung wieder gestattet. Geschwister, die noch keine Masern hatten, dürfen auch die Schule nicht besuchen, damit sie nicht etwa im Vorstadium die Infektion weiter verbreiten. Meldepflicht besteht nicht."
Dr. med. Luise von Seht

1892
"Mit der Thatsache, dass die meisten Menschen von den Masern, aber in der Regel nur einmal, befallen werden, hängt ein Brauch zusammen, von dem ich zuerst in den Vorlesungen des berühmten Dr. Schönlein erfahren habe. Letzterer war früher Professor in Würzburg gewesen und erzählte, dass sich in Franken Kinder die Masern absichtlich zuziehen. in gutartigen Epidemien werden solche Kinder zu einem masernkranken geschickt, ihm eine kleine Münze zu bringen, und dafür dürfen sie sich mit Erlaubnis der Eltern zu ihm ins Bett legen. Man nennt das dort die Masern kaufen. Man wird fragen: "Warum werden denn bei uns während ausgebreiteter Masern-Epidemien die Schulen geschlossen?" Die schulpflichtiger Zeit, die Zeit vom siebten bis zum fünfzehnten Lebensjahre, ist ja erfahrungsmässig diejenige, in welcher die Krankheit am besten durchgemacht wird; jüngere Kinder sind mehr gefährdet und auch Erwachsene. Die Antwort lautet: "Der Staat soll die Eltern nicht zwingen, ihre Kinder an einen Ort zu schicken, an dem sie sich voraussichtlich eine Krankheit zuziehen, die gelegentlich, wenn auch nicht in der Regel, nachtheilige Folgen hat und mit welcher sie andere Hausgenossen anstecken könnten." In der That können die Eltern triftige Gründe haben, das Kind aus der Schule zu behalten. Nehmen wir an, es sei das älteste, es sei aber noch eine Reihe von jüngeren vorhanden, so haben sie die Wahrscheinlichkeit, in ihrer Familie leichter mit den Masern fertig zu werden, wenn sie dieselben solange fernhalten, bis auch das jüngste ein Alter von womöglich sechs oder doch von vier Jahren erreicht hat, in dem es zu erwarten ist, dass es dann bei sorgfältiger Pflege ohne Nachtheil davonkomme. Sind solche Gründe nicht vorhanden, so haben die Eltern keine Ursache, in Zeiten von Masern-Epidemien die Kinder früher aus der Schule zu behalten, ehe die Schule geschlossen wird."
Dr. Ernst Brücke

Edit: In einer früheren Version wurde der Autor Adolph Henke als Adolph Menke angegeben.

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