Die Wissenschaft als Druckmittel

Zwischen der dritten und der neunten Auflage der Säuglingspflegefibel aus den Jahren 1914 und 1933 gibt es nur wenige Unterschiede. In beiden Werken werden gleichermaßen Reinlichkeit, Regelmäßigkeit und Emotionslosigkeit gelehrt. Das Weltbild ist weitgehend dasselbe, bis auf diesen deutlichen Unterschied hier.

Woraus besteht die Nahrung des Säuglings?

1914: Am besten bekommt ihm die natürliche Nahrung, die der liebe Gott jeder Mutter mitgegeben hat, die Muttermilch.

1933: Am besten bekommt ihm die natürliche Nahrung, die Muttermilch. Die vorsorgliche Natur hat sie jeder Mutter mitgegeben. In ihr sind alle Bestandteile enthalten, welche der kindliche Organismus zu seinem Aufbau bedarf.

Was auffällt sind das Verschwinden des religösen Bezugs und das Erscheinen von wissenschaftlich anmutenden Details. Überhaupt gibt sich die spätere Ausgabe wissenschaftlicher. Dinge wie Größe des Neugeborenen, Gewichtstabellen, Anzahl der Pulsschläge und Atemzüge, sowie eine Statistik zur Säuglingssterblichkeit von 1901 bis 1926 werden in der neunten Auflage genau beschrieben, fehlen in der früheren Ausgabe jedoch völlig.

All das gibt den Erziehungs- und Pflegeanweisungen ein weiteres Gewicht. Soll sich bloß keine Mutter mit ihren zarten Gefühlen gegen die allmächtige Wissenschaft stellen!

Ein lieber Gott kann an dieser Stelle deutlich weniger Druck ausüben.

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