Epilepsie in einer Beschreibung von 1798 - Paulitzky §122

Anleitung für Landleute zu einer vernünftigen Gesundheitspflege, Heinrich Felix Paulitzky, 1798

"Von der Fallsucht, Epilepsie, den Gichtern, dem bösen Wesen etc.

§. 122.

Zufälle der Fallsucht.

Wenn jemand plötzlich das Bewußtseyn und die Empfindung verlieret, und seine Glieder krampfhaft zusammengezogen und verdrehet werden, und diese Anfälle in kürzern oder länger dauernden Zwischenzeiten wiederkommen, so hat er die Fallsucht.

Vor dem Anfall empfinden manche Kranke gar nichts: andere haben einige Betäubung und Schwindel und zuweilen die Empfindung, als ob eine kalte Luft von unten herauf nach dem Kopf gienge. Während dem Anfall ist der Kranke ohne alles Bewußtseyn und Gefühl, das Athemholen ist etwas beschwerlich, es tritt ein Schaum vor den Mund, die Finger und Zehen werden eingezogen; alle Gleider stehen bald steif und unbeweglich, bald werden sie auf die gewaltsamste Weise hin und hergezogen und geworfen. - Wenn sich der Kranke erholet, so weiß er nichts von dem Zustand, worinn er gewesen ist; aber er ist müde und hat Kopfschmerzen.

Die Anfälle kommen oft wieder, gewöhnlich gegen den Vollmond. Bey manchen kommen sie nur des Nachts. Sie sind übrigens sowohl in Rücksicht ihrer Heftigkeit als Dauer sehr verschieden. Am gewöhnlichsten dauern sie eine Viertelstunde lang, etwas mehr oder weniger.

Diese traurige Krankheit ist unter dem Landvolk gar nicht selten. Die Kinder sind einer Gattung von derselben vorzüglich unterworfen; sie haben eine größre Anlage dazu als Erwachsene, und die Krankheit wird bey ihnen von mehrern Ursachen veranlasset, die bey Erwachsenen nicht statt finden. Ich werde davon insbesondre noch bey den Kinderkrankheiten reden."

Es folgen in nächster Zeit:
§ 123 Ihre Ursachen.
§ 124 Wie man sich inn- und außer den Anfällen verhalten muß.
§ 125 Was man sonst noch gebrauchen kann.
§ 126 Warnung vor schädlichen und unnützen Mitteln.
§ 365 Von den Zuckungen und Gichtern der Kinder.

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