Epilepsie in einer Beschreibung von 1798 - Paulitzky §125

Anleitung für Landleute zu einer vernünftigen Gesundheitspflege, Heinrich Felix Paulitzky, 1798

Von der Fallsucht, Epilepsie, den Gichtern, dem bösen Wesen etc.

§ 122 Zufälle der Fallsucht
§ 123 Ihre Ursachen
§ 124 Wie man sich inn- und außer den Anfällen verhalten muß.

"§. 125.

Was man sonst noch gebrauchen kann.

Wenn man die fallende Sucht gründlich heilen will, so muß man ihe Ursachen aufsuchen und wegschaffen. In den meisten Fällen muß der Leib gereinigt werden; aber die gewöhnlichen abführenden Mittel sind nicht hinreichend dazu, und man könnte manchmal damit schaden. Nur ein Arzt kann es beurtheilen, ob und welche davon dienlich sind. Man sollte überhaupt nicht versäumen, einen Arzt bald um Rath zu fragen, wenn man Gelegenheit dazu hat; denn je länger die Krankheit dauert, um so hartnäckiger wird sie. - Eben so ist es mit der Baldrianwurzel, der Fieberrinde, den Pomeranzenblättern, den Blumen von der Ochsenzunge, den Blumen von der Wiesenkresse, den Krähenaugen, Zinkblumen, etc. welche Mittel insgesammt man sich nicht selbst verordnen darf, indem sie leicht sehr großen Schaden thun können, wenn man sie verkehrt anwendet.

Man könnte ein großes Verzeichniß von Mitteln liefern, die wider die fallende Sucht gerühmt worden; aber nur wenige davon sind wirklich bewährt und die wenigsten von diesen darf man ohne Unterschied anwenden.

Die Mistel kann in jedem Falle gebraucht werden. Man hat sie schon in den ältesten Zeiten als ein wirksames Heilmittel hochgeschätzt. Man wählt am liebsten die Eichenmistel, die man für die wirksamste hält, trocknet die Stengel mit der Rinde in der gelindesten Wärme, stößt sie zu Pulver, und nimmt alle Morgen und Abende ein halbes Quentchen davon. Oder man kocht ein Paar Loth von den kleingeschnittenen Stengeln mit anderthalb Schoppen Wasser und trinken dieses wie ein ordinaires Getränke - Man verfertiget ferner aus den Regenwürmern ein Mittel, welches nicht leichtlich schaden kann, aber sehr oft, wenn es gehörig gebraucht worden, vortreffliche Wirkung hatte. Man säubert die Würmer, läßt sie allmählig austrocknen, und macht sie zu Pulver. Von diesem werden einzelne Portionen, der dritte Theil eines Quentchens, oder ein halbes Quentchen, abgewogen und irgendwohin an einen bequemen Ort gelegt, damit man sie im Nothfall augenblicklich bey der Hand habe. Wenn nun der Kranke merket, daß er einen Anfall bekommen werden und ehe das noch geschiet, geschwinde eins von den Pulvern einnimmt, dann sich rücklings auf das Bett leget und stille liegen bleibt, so wird er stark an der Stirne zu schwitzen anfangen, der Anfall wird ausbleiben, und endlich gar nicht mehr wiederkommen, wenn das Pulver allemal, so oft sich ein Anfall einstellen will, auf die beschriebene Art gebraucht wird. - Wenn man den Saft aus frischen Päonienwurzeln ausdrückt und mit Zucker versüßet, so hat man ein Mittel, von dem sich Fallsüchtige und andere, die mit gichterischen Zufällen behaftet sind, viel versprechen können. Man nimmt davon täglich viermal ein, zwey Theelöffelchen voll, oder noch mehr, und fährt ein paar Monate damit fort. Man kann das Decoct von der Mistel dabey trinken. Das Pulver von der Päonienwurzel nutzt viel weniger, und es hilft vollends gar nichts, wenn man die Wurzel nur äußerlich anhängt. - Man hat endlich auch den frischausgrpreßten Saft von Hauslauch (Hauswurzel) als ein vorzügliches Mittel gegen die fallende Sucht gerühmt. Man mischt vier Loth davon mit eben so viel gemeinen Kornbranntwein und nimmt dieses auf ainmal. Die Anfälle sollen oft schon wegbleiben, wenn man nur ein solches Tränkchen genommen hat. Man darf es daher auch nur in dem Fall wiederholen, wenn die Anfälle wiederkommen.

Auch das Baden im reinen kalten Wasser ist von großem Nutzen; und wenn es mit Vorsichtigkeit geschiehet, so hat man niemals üble Folgen davon zu befürchten. Es kann täglich einmal, dees Morgens bey nüchternem Magen, oder auch, wenn die Anfälle sehr oft kommen, alle Tage zweymal geschehen. Das Wasser darf nicht warm seyn, wenigstens nicht wärmer als das Flußwasser bey der größten Sommerhitze zu seyn pfleget. Der Kranke muß bis an den Hals, und wenigstens eine Stunde lang darinn sietzen, auch von Zeit zu Zeit den Kopf untertauchen. Aber nothwendig müssen allemal einige gesetzte Leute zugegen seyn; denn es könnte geschehen, daß der Kranke im Bade seinen Anfall bekäme, und dann würde er ertrinken, wenn man ihm nicht schleunig zu Hülfe käme."

Es folgen in nächster Zeit:
§ 126 Warnung vor schädlichen und unnützen Mitteln.
§ 365 Von den Zuckungen und Gichtern der Kinder.

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