header photo Herdenschutz

Als Herdenschutz bezeichnen wir heutzutage meist den Schutz Ungeimpfter in einer Gruppe von Geimpften. Wenn genügend Menschen geimpft sind, wird es auch für Ungeimpfte unwahrscheinlich, sich an der entsprechenden Krankheit anzustecken, sollte der Erreger in die Gruppe eingeschleppt werden. Denn nur ein direkter Kontakt mit dem Erreger ist ansteckend und die Wahrscheinlichkeit, ihm zu begegnen, ist in einer durchimmunisierten Gruppe geringer. Herdenschutz ist aber allgemein der Schutz Nicht-immuner in einer Gruppe von Immunen; auch dann, wenn die Immunität durch das Durchmachen der Krankheit erreicht wurde.

Viele der Krankheiten, gegen die wir heute impfen, traten früher in Epidemien auf. Insbesondere gilt das für die Kinderkrankheiten, welche so heißen, weil sie meist Kinder befielen. In der Regel erzeugen diese Krankheiten eine lebenslange Immunität. Da sie höchst ansteckend sind, kamen in einer Epidemie nur wenige Kinder ohne Ansteckung davon.

Die nächste Epidemie mit derselben Krankheit trat dann auf, wenn der Erreger erneut eingeschleppt wurde, nachdem genügend Kinder nachgeboren waren. Oder anders ausgedrückt: nachdem der Herdenschutz nachgelassen hatte, weil der Prozentsatz an nicht-immunen Menschen in der Gruppe gestiegen war. Durch hohe Geburtenraten traten die Epidemien meist nach drei bis acht Jahren wieder auf. Je länger es dauerte, bis die nächste Epidemie kam, desto größer war die Anzahl der Neuerkrankungen und desto älter konnten die Patient'innen sein.

Bei ungewöhnlich langer Abwesenheit der Krankheit, erkrankten bei der nächsten Epidemie auch Erwachsene. Und mit ihnen auch Babys, denn diese haben nur einen Nestschutz gegen Kinderkrankheiten, wenn die Mutter während der Schwangerschaft immun war.

Dr. Ernst Brücke, Professor der Physiologie an der Wiener Universität, schilderte diese Zusammenhänge 1892 eindrücklich:

"Früher galten die Masern für eine Krankheit, gegen die man geschützt sei, wenn man sie einmal durchgemacht hatte; in neuerer Zeit sind aber so häufige Fälle vom Gegentheile beobachtet worden, dass man den erwähnten Satz nicht mehr aufrecht erhalten kann. Die Regel bildet er allerdings, aber eine Regel mit unleugbaren und nicht so ganz seltenen Ausnahmen. Die meisten Erwachsenen haben einmal Masern durchgemacht, wenige gar nicht, wenige zweimal, und am seltensten sind diejenigen von denen angegeben wird, dass sie dreimal an solchen erkrankt seien. Hieraus erklärt es sich, dass in kleinen Ortschaften, die wenig Verkehr haben, manchmal Masern-Epidemien von einer Heftigkeit auftreten, wie sie in grossen Städten nie gesehen werden. Es geschieht dies in Fällen, in denen durch eine längere Reihe von Jahren gar keine Masern vorgekommen waren, und nun ein einzelner eingeschleppter Fall nach und nach alle Kinder ansteckt, die bereits ein Alter erreicht haben, in dem Disposition für die Krankheit vorhanden ist. Hatte die masernfreie Zeit lange genug gedauert, so erkranken auch Erwachsene. Die furchtbarsten Epidemien sind unter den Einwohnern einzelner Südsee-Inseln ausgebrochen, auf denen die Krankheit früher unbekannt war und dann durch Europäer eingeschleppt wurde. Sehr lehrreich war die von dem dänischen Arzte und Physiologen Dr. Panum auf den Faröern beobachtete Epidemie. Hier waren seit 1781 keine Masern beobachtet, als sich 1846 wieder solche zeigten. Im Verlaufe von sieben Monaten erkrankten bei einer Bevölkerung von 7782 Menschen 6000. Hier erkrankten auch die Kinder vom sechsten Monate an, während die unter fünf Monaten verschont blieben. Vollkommen sicher aber sind auch solche nicht, indem in anderen Epidemien einzelne Fälle von Masern an Kindern unter fünf Monaten beobachtet worden sind."

Wie behütet man Leben und Gesundheit seiner Kinder?, Dr. Ernst Brücke, 1892

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