Menstruation mansplained

Heute wird's blutig. Wir reden über die Monatsreinigung, das Unwohlsein, das Geblüt, das Monatliche, den Monatsfluß, die Regel, die Periode, die Menstruation. Oder anders ausgedrückt: über das blutgetränkte Gewebe, das Gebärmütter während der fruchtbaren Jahre häufiger mal ausstoßen.

Wenn Dir diese Beschreibung schon zu viel war, lies lieber nicht weiter! Und wenn Du meinst, dieses Thema hätte nichts mit Säuglingspflege zu tun, dann geh nochmal in Dich und überlege Dir, wo die kleinen Kinder her kommen.

Nicht nur ist die Geschichte der Menstruation eine "Geschichte voller Geheimnisse", ein Tabuthema. Bis heute wissen viel zu wenige Menschen, was da eigentlich passiert. Hauptsächlich betrifft das Menschen ohne Uterus, aber auch manche mit Uterus wissen bedauerlich wenig über ihren eigenen Körper.

Doch die Fehlannahmen uterusloser Menschen waren durch die Geschichte hinweg ganz besonders haarsträubend.

Fangen wir von vorne an. Wo kommt das Blut überhaupt her? Heinrich Georg Marschall wollte sein Werk "Die Ärztin für Mädchen, Mütter und Kinder" von 1789 gern in den Händen aller Mütter wissen. Dementsprechend lautete der Untertitel "Ein Volksbuch zunächst für Landhebammen geschrieben jedoch allen guten Müttern nützlich zu lesen und ihnen als Geschenk bei Verheurathung ihrer Töchter zu empfehlen". Direkt das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Menstruation.

"§ 21. Das Monatliche.
Die monatliche Reinigung, das Monatliche, die Zeit, das Geblüt, ist ein Blutfluß, welcher ordentlicherweise zwischen dem 24sten und 30sten Tag aus den Adern der Gebährmutter, auch wohl aus den Adern der Mutterscheide kommt; bei einigen nur 2 Tage, bei den meisten 4, 5, 6, und bei einigen auch wohl über 8 Tage dauert. Im Anfang kommt klares Blut, am Ende aber nur ein blasses röthliches Wasser."
Die Ärztin für Mädchen, Mütter und Kinder, Heinrich Georg Marschall, 1789

Nö. Die Menstruation ist gut durchblutetes Schleimhautgewebe, das zunächst in der Gebärmutter aufgebaut wurde, um einem Embryo einen Ort zum Wachsen zu bieten, und dann in Ermangelung eines Embryos unter Kontraktionen ausgestoßen wird. Da bluten keine Adern. Schon gar nicht in der Scheide.

Natürlich hatte Herr Marschall auch Ansichten darüber, wie sich eine Menstruierende zu verhalten hat.

"§. 26. Beschaffenheit und Verhalten einer Person zur Zeit des Monatlichen.
Eine Person, die ihr Monatliches hat, oder nahe daran ist es zu bekommen, ist anzusehen als wäre sie halb krank, weil sie um diese Zeit empfindlicher ist, und weniger vertragen kann, als sonst. Sie muß deßwegen mehr auf sich Achtung geben, und sich insonderheit vor folgenden Dingen hüten:
1. Grobe, schwer verdauliche, harte Speisen; hitzige Getränke; Ueberladung; große Erhitzung durch Arbeit, heftige Bewegung. Laufen, Tanzen, hitzige Getränke; Erkältung, wenn sie mit bloßen Füßen auf dem kalten Boden stehen, oder im Wasser waden, oder einen kalten Trunk thun wenn sie heiß sind; Zorn, Schrecken, Angst. Alles das kann machen, daß das Geblüt nicht kommt, oder stehen bleibt wenn's da ist.
2. Daher soll sie um diese Zeit weniger essen, als sie gewohnt ist; keine so schwere und angreifende Arbeit verrichten; die Füße und den Leib warm halten; mehr trinken als sonst, aber nicht zu kalt; diejenigen, die viel sitzen, müssen sich mehr Bewegung geben, als zur andern Zeit; die Kleider und Strumpfbänder müssen nicht so fest gebunden und zugemacht seyn, als sonst, und das Gemüth ruhig erhalten werden."
Die Ärztin für Mädchen, Mütter und Kinder, Heinrich Georg Marschall, 1789

Lange Zeit wurden Frauen Vorschriften gemacht, wie sie sich zu verhalten hätten. Selbst wenn ihnen Schonung während einer schmerzhaften Periode zugestanden wurde, dann nur, weil Herr Doktor sie für zu schwach und dumm hielt, sich um sich selbst zu kümmern. Es kann wie Umsorgen wirken, ist aber letztlich eine Entmündigung wie hier bei Dr. med. Paul Croner.

"Auch denen, die ihre Periode ohne Beschwerden haben, ist dringend zu raten, in den zwei ersten Tagen sich recht ruhig zu halten, die anderen sollen die Tage direkt liegend verbringen und eine leichte Diät halten. Den jetzt unter den jungen Damen üblichen Brauch, sich um die Regel nicht zu kümmern, ja trotzdem tanzen zu gehen, kann man nur als groben Unfug bezeichnen. Für die im Berufe stehenden Frauen ist es natürlich schwer, sich der Ruhe hinzugeben, immerhin ist man sozial so weit vorgeschritten, daß Rücksichten auf sie genommen werden."
Ich und mein Mütterlein, Dr. med. Paul Croner, 1915

Ein Autor, der uns früher schon als extrem misogyn aufgefallen ist, ist Dr. med. Heinrich Klencke. Er schrieb ein ganzes Buch darüber, wie Frauen zu sein haben: "Das Weib als Gattin". Na, wollen wir doch mal sehen, was der Herr Klencke so zur Menstruation zu sagen hatte.

"Ein Mädchen soll naturgemäß nicht länger als 3-4 Tage menstruiren, ein schwächliches aber nicht länger als 3 Tage; dauert die Periode länger, so muß dagegen auf eine ungefährliche Weise eingeschritten und die Natur an eine kürzere Zeit gewöhnt werden."
Das Weib als Gattin, Dr. med. Hermann Klencke, 3. Auflage, 1879

3 Tage? Das ist aber sportlich! Und was soll das heißen, die Natur muss an eine naturgemäße Länge gewöhnt werden? Sind 3-4 Tage jetzt natürlich, oder nicht? Und wie zum Teufel soll der Körper an eine kürzere Blutung gewöhnt werden? Herr Klecke, Sie haben einiges zu erklären

"Es giebt unzählige Mädchen (und Frauen), welche ihren menstrualen Blutabgang 6 bis 8 Tage fortdauern lassen und nichts dagegen thun, einmal weil sie zu wenig unterrichtet und im Glauben sind, daß es bei ihnen so sein müsse, zweitens aber, weil sie niemals recht erfahren, wie viel und wie lange sie Blut verlieren."
Das Weib als Gattin, Dr. med. Hermann Klencke, 3. Auflage, 1879

Ach, ich muss gar nicht 5-6 Tage lang bluten? Danke für die Info, Herr Klencke! Verraten Sie mir doch bitte, wie.

"Es herrscht nämlich in Deutschland, mit kaum nennenswerthen Ausnahmen, die bürgerliche Gewohntheit, während der Periode das Hemde nicht zu wechseln, oder, wo man eine Menstrualbinde nach englischem Muster trägt, diese für die Dauer der Periode zu gebrauchen, und zwar in der unbegründeten Besorgniß, daß die Blutung durch Wechseln zurücktreten oder sich verstärken könne; indem nun die Wäsche nicht gewechselt wird, kommt das hervorfließende Blut wieder auf die alten Blutflecke der vorhergehenden Tage und es wird das Urtheil über die Stärke und Fortdauer des Ausflusses an 3, 4-5 Tagen dadurch getäuscht und es wissen viele Mädchen nicht einmal, daß sie zu reichlich menstruiren und ihre Schwäche hierin den eigentlichen Grund hat."
Das Weib als Gattin, Dr. med. Hermann Klencke, 3. Auflage, 1879

Blablabla. Ich wage zu bezweifeln, dass Binden nicht gewechselt wurden. Das soll doch nur wieder zeigen, wie eklig Frauen sind, wenn Männer sie nicht berichtigen. Komm zum Punkt, Klencke! Wie soll das gehen, die Periode zu verkürzen? Der gute Herr schwafelt weiter, ich überspringe das mal. Ah! Hier die Anleitung:

"Dauert die Menstruation länger als drei Tage, so darf das Mädchen alle Stunde eine halbe Tasse kalten Zimmtthee trinken oder einen halben Theelöffel voll der in Apotheken vorhandenen Zimmttinctur in etwas Wasser, dabei muß es sich aber körperlich und seelisch ruhig verhalten, horizontal niederlegen, nicht viel und laut sprechen und keine sehr warmen Speisen und Getränke genießen. Es ist aber auch darauf zu achten, daß keine Leibesverstopfung stattfindet, die nöthigenfalls durch eine mäßige Portion Friedrichshaller Bitterwasser, namentlich bei vollsaftigen Mädchen, zu beseitigen ist."
Das Weib als Gattin, Dr. med. Hermann Klencke, 3. Auflage, 1879

Liegen und Zimtwasser trinken? Das soll der großartige Trick sein? Ich habe so das leise Gefühl, dass das nichts bringt...

"Hört mit Ende des vierten Tages während dieses Verhaltens die Menstruation nicht auf oder läßt sie nicht merklich nach, so ist es gestattet, von einer Mischung aus 10 Gramm Zimmttinctur und 5 Gramm Phosphorsäure, stündlich 20 Tropfen in etwas Wasser zu nehmen, auch eine in kaltes Wasser getauchte, von der tropfbaren Flüssigkeit ausgedrückte Leinwandcompresse über die Geschlechtstheile zu schlagen und, wenn sie warm geworden ist, wieder zu erneuern." 
Das Weib als Gattin, Dr. med. Hermann Klencke, 3. Auflage, 1879

Der Typ hat offensichtlich nicht die geringste Ahnung, wie Menstruation funktioniert.

"Sollte aber die Menstruation dennoch nicht sistiren, so muß eine Einspritzung in die Scheide mittelst einer Mutterrohrspritze vorgenommen werden, und zwar aus einer Lösung von 2 Gramm Tannin und 300 Gramm Wasser. Diese Einspritzungen, und beständen sie auch nur aus kaltem Wasser, sind dann nach Aufhören der Menstruation, in der freien Zwischenzeit täglich einmal fortzusetzen, und es wird danach die wiederkehrende Periode sich diesmal schon oder doch in den nächsten Malen auf die normale Zeit beschränken. Heftigere Menstrualblutungen erfordern aber die baldige Beihülfe des Arztes."
Das Weib als Gattin, Dr. med. Hermann Klencke, 3. Auflage, 1879

Tannin ist ein Gerbmittel in der Lederproduktion und ein blutstillendes Mittel in der Medizin. BITTE SPÜL DEINE SCHEIDE NICHT AUS! Ich hoffe, das muss nicht gesagt werden, aber ich mache es lieber trotzdem. Erstens ist die Scheide selbstreinigend und alles was eingeführt wird, kann potentiell Krankheitserreger einbringen und die Scheidenflora stören. Zweitens IST DAS KOMPLETTER MIST, SO FUNKTIONIERT DIE MENSTRUATION NICHT.

Als Gründe für "zu lange" Menstruation gibt Klencke übrigens folgendes an: "venöse Blutfülle des Unterleibs", Krankheiten wie Lungentuberkulose und Herzklappenfehler, Onanie, wollüstige Phantasie, Reiten. Ja, nee, ist klar.

Dagegen ist der Eintrag im "Hauslexikon" von 1836 geradezu fortschrittlich.

"Monatsfluß, Regeln, lat. menstruatio, fr. regles. Der weibliche M. hat keinesweges den Zweck, unreines, schlechtes Blut aus dem Körper zu entleeren, sondern er dient blos, um dasjenige Blut, welches zur Ernährung einer Frucht bestimmt ist, u. daher, so lange die Frau nicht schwanger ist, überflüssig erzeugt wird, zu entfernen; daher beginnt er bei dem Mädchen mit dem Eintritte der Mannbarkeit, oder zwischen dem 16ten bis 26sten Lebensjahre, verschwindet, wenn die Frau schwanger wird u. so lange sie ein Kind stillt, u. verliert sich endlich ganz mit dem Aufhören der Zeugungsfähigkeit, was gewöhnlich um das 50ste Lebensjahr der Fall ist. Um die Störungen, denen der M. unterworfen ist, richtig zu beurtheilen, beachte man, daß sie in einigen Fällen zwar die Ursachen zu den sie begleitenden Krankheitserscheinungen abgeben, daß sie aber auch ebenso oft erst durch andere Krankheiten hervorgerufen welche Verschiedenheit auf die Behandlung von dem größten Einflusse ist.
Was 1) das zu frühzeitige Erscheinen des M. betrifft, so unterscheide man die selteneren Fälle, wo ausnahmsweise die Geschlechtsreife ohne krankmachende Einflüsse sich ungewöhnlich früh entwickelt, von denjenigen Fällen, wo durch Ueberreizung der Körper- u. Seelenkräfte, verweichlichende Erziehung, übermäßigen Genuß erregender Getränke, Romanlesen, Müssiggang, Onanie ec. die Mannbarkeit künstlich beschleunigt u. der M. zu früh hervorgerufen wird. Gehörige Beschäftigung des Körpers u. Geistes mit ernsten Gegenständen , Vermeidung des vielen Kaffee- u. Theetrinkens, Aufenthalt auf dem Lande, frühes Aufstehen aus dem Bette, kalte Bäder, werden am besten den üblen Folgen einer solchen Frühreife, vorzeitigem Hinwelken des Körpers u. der Entwickelung nervöser u. auszehrender Uebel vorbeugen.
2) Das verzögerte Erscheinen des M. in den Jahren der Geschlechtsentwickelung wird gewöhnlich von den Zufällen der Bleichsucht begleitet (s. d.).
3) Nicht blos der erste Eintritt, sondern auch die jedesmalige Wiederkehr des M. kann von mannichfachen Beschwerden, wie Kreuzschmerzen, Leibschneiden, Uebelkeit, Kopfschmerzen, krampfhaften Zufällen ec. begleitet seyn. Außer einer genauen Befolgung der am Schlusse dieses Art. zu gebenden diätetischen Vorschriften hat man besonders durch kühlende Mittel, z. B. einige Gläser frischen Wassers mit Zucker, Weinstein, Selterser Wasser (wofern der M. nicht übermäßig ist) ec. die übermäßige Aufregung des Blutes zu mäßigen, oder wenn die Beschwerden mehr krampfhafter Art sind, so werden einige Tassen leichter Chamillen- oder Baldrianthee, oder der innerliche Gebrauch des Hoffmann'schen Liquor (s. Liquor) Hülfe leisten.
4) Die jedesmalige Dauer u. Stärke des M. ist unbestimmt u. währt bei einigen kaum 2 - 3 Tage, bei andern dagegen auch wohl 6 - 7 Tage, ohne daß an einen krankhaften Zustand zu denken wäre. Nur, wo er die gewöhnliche Dauer u. Stärke überschreitet, wird der Arzt dagegen einzuschreiten sich veranlaßt fühlen. Vgl. Gebärmutterblutfluß. Doch ist stark menstruirten Frauen ernstlich anzurathen, Alles zu vermeiden, was zu Blutstockungen im Unterleibe u. Blutandrang nach den Geschlechtstheilen Veranlassung geben kann; dazu gehören anhaltendes Sitzen, vieles Essen u. Trinken, wobei der Körper nicht gehörig ausgearbeitet wird, häufiger Genuß stark gewürzter Speisen, hitziger Getränke, des Kaffees, Thees u. dgl., der Gebrauch von Kohlenbecken zur Erwärmung der Füße, zu häufige Fußbäder oder heiße Wannenbäder c.
5) Wenn der M. zur gehörigen Zeit ausbleibt, so kann dieß entweder von beginnender Schwangerschaft, oder von irgend einem krankhaften Zustande abhängen. Hat die Krankheit von dem Ausbleiben des M. ihre Entstehung genommen, so wird es allerdings zunächst rathsam seyn, denselben durch die geeigneten Mittel wieder hervorzurufen zu suchen; doch tritt, u. zwar vielleicht noch häufiger, der Fall ein, daß die bereits vorhandene Krankheit das Erscheinen des M. erst verhindert hat, ja daß es ganz schädlich seyn würde, bevor jene gehoben ist, den M. wieder hervorrufen u. befördern zu wollen. Da aber diese Fälle nur der Arzt gehörig zu unterscheiden u. die jedesmal erforderlichen Mittel auszuwählen im Stande ist, so können wir nicht genug vor dem eigenmächtigen Gebrauche der sogen. bluttreibenden Mittel, wohin warme Fußbäder, starke Abführmittel, warmer, mit Gewürzen versetzter, rother Wein, Aloé, Sadebaum u. mehrere andere zu rechnen sind, warnen, da durch solche Mittel der größte Schaden gestiftet werden kann. Bisweilen geschieht es, daß zur Zeit, wo der M. eintreten sollte, irgend ein anderes Organ krankhafter Weise dafür Blut absondert, u. Bluthusten, Blutbrechen, Blutung der Brustwarzen ec. entsteht. Solche Zufälle erfordern zwar die sorgfältigste Behandlung von Seiten des Patienten u. des Arztes, sind aber meistens mit geringerer Gefahr verbunden, als wenn sie aus andern Ursachen entstehen.
6) Der eben fließende M. kann durch verschiedene Ursachen, wie Schreck, Aerger, Erkältung der Füße u. des Unterleibes, durch den unzeitigen Gebrauch von Abführmitteln, Brechmitteln, zusammenziehenden Mitteln ec. plötzlich unterdrückt werden, u. daraus Blutandrang nach andern Theilen, Entzündungen, Krampfzufälle c. entstehen. Die ärztliche Behandlung muß Bekämpfung der neuentstandenen Krankheit sich zum nächsten Ziele nehmen, u. kann daher die Anwendung sehr verschiedenartiger Mittel erfordern. Der Laie darf in Ermangelung eines sicherern Rathgebers höchstens solche Mittel, wie warme Aufgüsse von Melisse, Münze, Chamillen, Anis c. zur Wiederherstellung des M. anwenden.
7) Wenn der M. zu sparsam ist, so finden die oben unter 5) aufgestellten Grundsätze ihre Anwendung; oft geht nur ein dünnes, wässeriges Blut ab, wovon allgemeine Körperschwäche, fehlerhafte Blutbereitung u. andere Krankheitszustände die Schuld tragen, welche nach ihrer Eigenthümlichkeit vom Arzte zu behandeln sind. Sehr häufig begleitet ein Schleimabgang den M. kurz vor seinem Erscheinen oder nach seinem Verschwinden, u. ist entweder ein Zeichen von Schlaffheit der Gebärmutter, wie sie nach häufigen Blutflüssen, Wochenbetten, bei allgemeiner Schwäche c. stattzufinden pflegt, oder von Verschleimung des Körpers überhaupt. Vgl. Schleimfluß.
8) Nicht befremden mag es, wenn besonders bei sehr robusten, vollblütigen Frauen in den ersten Monaten der Schwangerschaft der M. noch ein oder mehrere Male wiederkehrt; nur in sehr seltenen Fällen dauert er während der ganzen Schwangerschaft hindurch. Man hüte sich aber, Gebärmutterblutflüsse, welche oft Anzeigen eines drohenden Abortus sind, damit zu verwechseln. Ueber die Rücksichten, die der wiederkehrende M. bei stillenden Frauen zu nehmen erfordert (vgl. Amme).
9) Im Alter hört der M. desto zeitiger auf, in je früheren Lebensjahren er zuerst erschienen war; desgleichen bei Frauen, die durch häufige Wochenbetten, Fehlgeburten, schwere Krankheiten viel gelitten haben, oder sonst sehr geschwächt sind. Er verliert sich in der Regel nach u. nach, indem er seltner, sparsamer u. unregelmäßig wiederkehrt u. endlich ganz aufhört. Bisweilen sind damit krankhafte Zufälle, Krämpfe, gichtische Beschwerden, Verdauungsleiden ec. verbunden, die stets eine sorgfältige Behandlung von Seiten des Arztes erfordern, damit der weibliche Körper die mit der rückschreitenden Zeugungskraft verbundene Umwandlung ohne gefährliche Folgen überstehe. –
Verhaltungsregeln während des M. Um etwaigen Störungen u. Regelwidrigkeiten des M. möglichst vorzubeugen, vermeide man in den Tagen, wo derselbe bevorsteht u. zugegen ist, alle starken körperlichen Anstrengungen, wie Heben u. Tragen schwerer Lasten, was das Blutsystem zu sehr aufregen könnte, wohin der ungewohnte Genuß von Wein, Bier, vielem Thee u. Kaffee, stark gewürzten Speisen, Chocolate, insbesondere auch das Tanzen gehört; ferner dasjenige, was das Blut nach den unteren Theilen des Körpers ableitet, z. B. Fußbäder, Aderlässe u. Blutegel an den untern Extremitäten, sowie den geschlechtlichen Umgang ec. Die Füße u. der Unterleib sind vor Erkältung zu schützen, u. Gemüthsbewegungen, wie Aerger, Schrecken, Zorn möglichst fern zu halten. Den Gebrauch von Arzeneien setzt man, wenn der Arzt deshalb nicht befragt werden kann, während des M. zur größern Sicherheit aus. Personen, welche zur Unterdrückung des M. besonders geneigt sind oder kränkeln, haben diese Vorschriften doppelt streng zu befolgen, u. thun wohl, zum Schutz gegen Erkältung während des M. Unterbeinkleider zu tragen. Nicht blos förderlich zur Reinlichkeit, sondern auch für die Gesundheit sehr zuträglich ist es, nach jedesmaliger Beendigung des M., wenn es das Befinden u. die Witterung irgend erlauben, ein laues Bad zu nehmen."
Das Hauslexikon - Vollständiges Handbuch praktischer Lebenskenntnisse für alle Stände - 5. Band, 1836

Aber selbst dieser ellenlange Beitrag schweigt sich darüber aus, wie Menstruierende mit ihrer Periode tatsächlich umgegangen sind. Haben sie Binden benutzt? Wie sahen diese aus? Hatten die körperlich arbeitenden Frauen einen Beckenboden, der stark genug war, um "freie Menstruation" zu praktizieren, also die Blutung gezielt abzulassen? Vermutlich haben Frauen mit den Ärzten über diese rein praktischen Dinge nie gesprochen. Daher auch Klenckes unhaltbare Annahmen über die mangelnde Hygiene.

Was haben wir nun gelernt? Männer hatten keine Ahnung, aber viel Meinung. Sorry, dass ich Dich für diese kurze Erkenntnis so viel Text habe lesen lassen.

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