header photo Scharlach

Der Scharlach hat dank moderner Antibiotika seinen Schrecken verloren. Eine Impfung gibt es nicht. Es gab allerdings mal eine. Sie bot jedoch nur einen Schutz für 1-3 Jahre.

Es ist erstaunlich, wie lange man nur wenig über die Krankheit wusste. Dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt, war selbst 1964 noch keine gesicherte Erkenntnis.

Wie immer in diesem Blog gilt auch hier: die Texte sind nur als historische Dokumente zu betrachten! Sie ersetzen keinen Arztbesuch und sie zu befolgen kann gesundheitsschädlich und gefährlich sein.

Erreger
Infektion
Disposition
Inkubationszeit
Krankheitsbild und -verlauf
Komplikationen
Schutz
Pflegemaßnahmen
Sonstiges

Erreger

1972
"Der Erreger des Scharlachs ist nicht mit Sicherheit bekannt, man vermutet, daß noch andere Umstände für die Erkrankung maßgebend sind."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"Von einigen Forschern wird ein Virus angenommen. Mit größter Wahrscheinlichkeit jedoch ist der Erreger ein besonderer Streptokokkus. Es ist außerordentlich widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen, auch im eingetrockneten Zustand behält er anscheinend monatelang seine Ansteckungsfähigkeit. Den Erregern dienen die Schleimhaut der Mundhöhle oder Wunden (Wundscharlach) als Eintrittspforte in den Körper."
Dr. Werner Catel

Infektion

1972
"Ansteckungsfähigkeit besteht während der Erkrankung, besonders in den ersten Tagen, sie besteht aber auch nach Überstehen der Erkrankung selbst in der sogenannten Rekonvaleszentenzeit. Die Übertragung erfolgt durch Berührung mit erkrankten Personen bzw. durch Tröpfcheninfektion."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"Direkte Übertragung, z.B. durch Rachenschleim, Ohreiter, Nasensekret, ist sehr häufig; wahrscheinlich befinden sich die Erreger auch in den Hautschuppen. Indirekte Übertragung durch zwischenträger (Gegenstände) ist möglich."
Dr. Werner Catel

Disposition

1972
"Die Empfänglichkeit für Scharlach ist nicht sehr groß, man nimmt an, daß sie etwa bei 6 bis 7 Prozent aller derjenigen Menschen liegt, die Gelegenheit haben, sich mit Scharlach zu infizieren. Bei dem außerordentlich verschiedenartigen Verlauf dieser Erkrankung ist aber nicht auszuschließen, daß zahlreiche Menschen eine Scharlacherkrankung durchmachen, ohne einen Ausschlag zu bekommen. Sie zeigen lediglich eine Angina oder andere Infektionserscheinungen im Nasen- und Rachenraum. Säuglinge erkranken nur sehr selten, nach dem zehnten Monat ist die Erkrankung etwas häufiger. Sie ist am häufigsten zwischen dem dritten und siebenten Lebensjahr. Zweiterkrankungen sind bekannt, doch sehr selten. Man darf also im allgemeinen eine weitgehende Immunität nach Überstehen der Erkrankung annehmen."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"Die Ansteckung erfolgt leicht, jedoch ist die Disposition zu erkranken geringer als bei Masern. Am häufigsten tritt der SCharlach bei Kindern zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr auf. Überernährte, fette Kinder sind besonders gefährdet. (...)

Der scharlach ist schon einige Tage vor dem Ausbruch der eigentlichen Krankheit ansteckungsfähig. Sehr häufig erfolgt die Ansteckung durch nicht erkannte Fälle, bei denen die Krankheit nur mit einer Halsentzündung einhergeht, das Exanthem aber fehlt. Die allgemeine Regel, daß ein Scharlach mindestens 6 Wochen ansteckungsfähig und deshalb isolationsbedürftig ist, muß dahin ergänzt werden, daß die Möglichkeit einer Ansteckung so lange besteht, bis die letzten Eiterherde (Entzündung der Kieferhöhle, der Mittelohres usw.) zur Ausheilung gekommen sind. Dies kann auch bereits nach 3 Wochen der Fall sein (1)!

(1) Durch Penicillin scheint die Infektiosität des Scharlachs vielfach abgekürzt, aber nicht zuverlässig beseitigt zu werden."
Dr. Werner Catel

1939
"Der Scharlach tritt vorwiegend bei älteren Kindern, selten nur im Säuglingsalter, auf. Die Krankheit ist außerordentlich ansteckend und kann - im Gegensatz zu Masern - auch durch gesunde Personen, unter Umständen sogar durch Kleider, Spielsachen usw. übertragen werden. Am gefährlichsten ist natürlich immer das Beisammensein mit dem Kranken selber. Glücklicherweise ist jedoch nicht jeder für das Scharlachgift empfänglich, weil viele Menschen durch gewisse im Körper sich bildende Abwehrkräfte vor einer Erkrankung geschützt werden."
Dr. med. Luise von Seht

1832
"Das Scharlachfieber befällt zwar vorzüglich, wie die übrigen hitzigen Ausschlagkrankheiten, die Kinder, aber auch nicht selten Erwachsne. Es steckt sehr leicht an, und nicht bloß durch die Berührung des Kranken, sondern auch durch Kleidungsstücke, Betten, Wäsche und andere Dinge, welche ein Scharlachkranker berührt hat."
Professor Adolph Henke

Inkubationszeit

1972
"Die Inkubationszeit läßt sich beim Scharlach nicht so genau festlegen wie bei den Masern. Man nimmt an, daß sie im allgemeinen etwa 7 bis 9 Tage dauert. Wenn also, nach Isolierung oder Entfernung des Krnaken aus der Wohnung, innerhalb dieser eben genannten Zeit keine weitere Neuerkankung auftritt, darf man erwarten, daß sie nicht weiterhin auftreten werden."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"1-3-7 Tage."
Dr. Werner Catel

1939
"Der Scharlach zeigt sich etwa zwei bis sieben Tage nach erfolgter Ansteckung."
Dr. med. Luise von Seht

Krankheitsbild und -verlauf

1972
"Die Scharlacherkrankung kann sehr stürmisch auftreten mit Erbrechen und hohem Fieber. Die Mandeln sind geschwollen, oft sieht man gelbliche oder weiße Flecken auf ihnen. Die Schleimhaut der Wangen und des Rachens ist gerötet und nimmt im weiteren Verlauf eine hochrote Färbung an (Scharlachrötung). Gleichzeitig kommt es zu Schwellungen der Lymphknoten am Hals. Nach ein bis drei Tagen tritt ein Ausschlag auf, der im allgemeinen das Gesicht frei läßt. Er beginnt am Hals, auf Bauch und Brust und auf dem Rücken und ist besonders stark im sogenanntren Schenkeldreieck. Allmählich dehnt er sich über den ganzen Körper aus. Es ist ein kleinfleckiger, stecknadelstichartiger und stecknadelkopfgroßer Ausschlag. Selten fließt er so zusammen, daß größere Hautpartien davon bedeckt sind. Manchmal hat er auch einen frieselartigen Charakter. Die anfangs leuchtende Röte dunkelt ab zu einer düsterroten Färbung. Der Ausschlag ist im allgemeinen am Ende der ersten, spätestens am Anfang der zweiten Krankheitswoche vorüber. Sehr bald danach beginnt eine Schuppung der Haut, am deutlichsten an den Händen und Füßen, sie kann manchmal die Hautoberfläche in großen Fetzen (Lamellen) abstoßen. Die Hautschuppung ist zwar sehr häufig, aber keineswegs immer vorhanden.
Die anfangs belegte Zunge erhält am dritten oder vierten Krnakheitstag eine sehr charakteristische Beschaffenheit: Der Zungenbelag stößt sich ab, und man sieht nun eine leuchtend rote, infolge der Schwellung der kleinen Zungenpapillen wie eine Himbeere aussehende Zunge.
Neben dieser sehr typischen Erkrankungsform kann Scharlach auch in den verschiedenartigsten anderen Formen auftreten, so daß seine Erkennung nicht immer einfach ist. Wie schon oben erwähnt, ist die leichte und leichteste Form des Scharlachs heute besonders verbreitet."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"[Nach der Inkubationszeit] plötzlicher Ausbruch der Krankheit mit hohem Fieber (Abb. 200), Erbrechen (sehr charakteristisch für Scharlach!), Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Unruhe (bis zu Delirien) und schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens.

12-24 Stunden nach Krankheitsbeginn Hautausschlag, beginnend am Hals, auf der Brust oder dem Rücken; die Innenseiten der Oberschenkel sind besonders häufig und intensiv befallen. Nase und Mundregion bleiben stets frei von Exanthem. Dieses besteht zunächst aus kleinsten roten Flecken ("Stippchen"), zwischen denen immer wieder neue hervorsprießen, so daß schließlich die Haut gleichmäßig rot gefärbt erscheint (Abb.201).(1) Das Exanthem kann nur wenige Stunden oder bis zu einigen Tagen sichtbar sein. Anschließens - etwa in der 2. Krankheitswoche - entwickelt sich eine Hautschuppung, die an Händen und Füßen am ausgesprochensten und um gegensatz zu Masern lamellös (blättrig, fetzig) ist. Die Schuppung kann längere Zeit anhalten. Im Harn ist die Urobilinogenprobe, oft auch die Acetonprobe (s.S. 475, 474), positiv.

Bereits am ersten Krankheitstage besteht eine flammende Röte des Rachens, die Gaumenmandeln sind geschwollen, hochrot und tragen pfropfartige oder größere, nicht zusammenhängende (lakunäre) Beläge. Die Halslymphknoten sind vergrößert und druckschmerzhaft. Die Zunge ist anfangs weißlich-schmierig belegt, erst am 3.-5. Krankheitstag entwickelt sich die für Scharlach so charakteristische Himbeerzunge (Düsterrote Verfärbung, glasige Schwellung der Lymphknötchen auf der Zunge).

Der Scharlach kann sehr leicht verlaufen: Geringe oder keine Temperaturerhöhung; Hautausschlag fehlend oder so gering und flüchtig, daß er übersehen wird. Halsentzündung nur angedeutet. Erst die später einstzende Schuppung oder das Auftreten einer Nierenentzündung deuten auf einen überstandenen Scharlach hin.

Sehr wichtig ist weiterhin, daß ein in der 1. Woche komplikationslos verlaufender und bereits abklingender Scharlach zu Beginn der 2. Woche von neuem Krankheitserscheindungen machen kann, die als sog. zweites Kranksein (Abb. 200) zusammengefaßt werden. Diese Periode der Krankheit ist von wechselnder Dauer sie kann wochenlang bestehen un ist durch folgende Symptome gekennzeichnet: Die schon zur Norm zurückkehrende Temperatur steigt wiederum an, die Halsentzündung flackert nochmals auf und zeigt Neigung zu geschwürigen Veränderungen, es kan nsich (häufig) eine Kieferhöhlen-, Siebbein- oder Mittelohrentzündung oder eine Vereiterung der Lymphknoten am Hals entwickeln, der Patient klagt über rheumatische Beschwerden in den Gelenken, man beobachtet verschiedene Formen von Hautausschlag (Spätexantheme), vor allem aber sehr oft eine Nierenentzündung (häufige Urinuntersuchung).

Stehen im Verlauf des Scharlachs streptokokkenbedingte Komplikationen (z.B. Mittelohrentzündung) im Vordergrund des Krankheitsbildes, so spricht man von einer septischen Verlaufsform. Stehen dagegen die Giftwirkungen der von den Streptokokken abgesonderten Toxine im Vordergrund (z.B. Bewußtlosigkeit, Krämpfe, Pulsbeschleunigung, kalte und feuchte Extremitäten, blaue Verfärbung der Lippen un der Haut), so spricht man von einer toxischen Verlaufsform der Krankheit. Schließlich können sich auch allergische Prozesse (s.S. 379) entwickeln, die auf einer Überempfindlichkeit gegen die Streptokokkentoxine beruhen. So ist die bereits erwähnte Nierenentzündung (Glomerulonephritis, s.S. 331) eine allergische Reaktion.

(1) Intrakutane Injektionen von 0,5 ccm Serum eines Gesunden oder von 0,5 ccm des tierischen Scharlachheilserums hat zur Folge, daß dieses im Umfang von Markstückgröße nach 6-8 Stunden oder später abblaßt (Auslöschphänomen)."
Dr. Werner Catel

1939
"Wie bei den bereits besprochenen Kinderkrankheiten soll auch hier an einem mittelschweren Fall erläutert werden, wie eine Infektion etwa zu verlaufen pflegt. Unter Fieber und Unwohlsein, eventuell auch Kopfschmerzen und Erbrechen, stellt sich zunächst eine Halsentzündung mit Drüsenschwellungen und intensiver Rötung der Rachenschleimhaut ein. AUf den gewöhnlich stark entzündeten Mandeln entwickeln sich vielfacch weißgelbliche Beläge, die sehr ausgedehnt sein und zu Verwechslung mit Diphterie führen können. Hin und wieder kommt es auch vor, daß Diphterie und Scharlach gleichzeitig bei einem Kind auftreten. Im Laufe des ersten oder zweiten Krankheitstages wird dann das eigentliche Scharlachexanthem sichtbar. In typischen Fällen besteht es aus kleinen, dicht nebeneinander stehenden tiefroten Pünktchen, die stellenweise zu einer Fläche zusammenzufließen scheinen. Am ausgesprochensten pflegt es in den Schenkelbeugen entwickelt zu sein. Die Nase, die Lippen- und Kinnpartie sind gewöhnlich frei von Ausschlag. Infolgedessen wirkt das Gesicht nicht so gedunsen wie bei Masern, auch die AUgen sind nicht verschwollen, so daß die Kinder durch die Rötung kaum entstellt werden. Die Stärke des Ausschlags ist bei Scharlach außerordentlich verschieden. Manchmal sind die Kinder fast am ganzen Körper feuerrot. Dann wieder beobachtet man Fälle, wo sich höchstens an einigen Körperpartien, und dann vor allem in den Schenkelbeugen, ein paar scharlachverdächtige Stellen finden. Bisweilen ist - so seltsam es auch klingen mag - überhaupt kein Ausschlag nachzuweisen, und nur durch das Auftreten einer typischen Nachkrankheit oder einer Schuppung kann nachträglich noch die Diagnose Scharlach gestellt werden. Schließlich kommen hin und wieder auch atypische Ausschläge vor, die die Diagnosestellung außerordentlich erschweren, wenn nicht überhaupt unmöglich machen können. Am dritten bis vierten Krankheitstag stellt sich eine für Scharlach außerordentlich charakteristische Eigentümlichkeit ein. Die bis dahin stark belegte Zunge wird feuerrot und weist gleichzeitig viele kleine Erhebungen auf. Man nennt sie deswegen bezeichnenderweise "Himbeerzunge". Ihr Vorhandensein spricht ziemlich sicher für durchgemachten Scharlach. Nach etwa 3-4 Tagen verblaßt allmählich der Ausschlag, das Fieber geht in unkomplizierten Fällen zurück und mit ihm die anderen Krankheitenserscheinungen. Das Kind pflegt dann wieder einen ganz frischen und nahezu gesunden Eindruck zu machen. In diesem Stadium ergeben sich manchmal Schwierigkeiten mit den Eltern. Es wird ihnen schwer, zu glauben, daß bei ihrem so vergnügten und offenbar beschwerdefreien Kind noch irgendeine heimtückische Nachkrankheit im Hintergrund lauern könnte, wie das tatsächlich manchmal der Fall ist. Unter Umständen bedarf es dann großer Überredungskunst, um den Angehörigen klarzumachen, daß der Patient noch nicht als geheilt anzusehen ist, daß er noch geschont und isoliert werden muß, was allerdings oft mit erheblichen Umständen verbunden ist. Im allgemeinen pflegt ja auch alles gut zu gehen, und das Kind ist unter der unbedingt erforderlichen ärztlichen Kontrolle nach sechs Wochen wieder schulfähig. Es kommt aber auch vor, daß noch mehr oder weniger schwere Nachkrankheiten auftreten, und diese Möglichkeit muß durch eine entsprechende Wartezeit erst ausgeschaltet werden, ehe der Krankheitsprozeß als abgelaufen gelten darf. Nun zur Besprechung unseres Krankheitsbildes zurück. In der zweiten, dritten oder vierten Woche pflegt sich die sogenannte Schuppung einzustellen. Sie ist bisweilen so stark, daß sich die Kinder große Lamellen der abgestoßenen Haut von den Händen und füßen abziehen können, was vielfach mit besonderer Begeisterung geschieht. Manchmal ist aber auch nur ein leichtes Abblättern der obersten Hautschicht an Fingern und Zehen nachzuweisen, oder die Schuppung bleibt ganz aus. Der Grad dieses eigenartigen Hautprozesses ist von der Stärke des Ausschlags völlig unabhängig. Er tritt sogar auch nach den ohne jede Rötung verlaufenden Fällen auf."
Dr. med. Luise von Seht

1891
"Der Scharlach, Scharlachfieber
ist eine Krankheit, welche seltener als die Masern und die gutartigen Blattern vorkommt und sich in einem fieberhaften, mit Halsbräune verbundenen, großfleckigen, scharlachroten Ausschlage äußert. Der Scharlach ist ansteckend und tritt in allen Perioden des Kindesalters auf und zwar ebenfalls mit Vorboten von allgemeinem Unwohlsein, denen sehr bald Fieber mit Schlingbeschwerden und gewöhnlich mit galligem Erbrechen folgen. Dazu gesellen sich Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Durst, Schlaflosigkeit oder Schlafsucht; nicht selten steigert sich das Fieber zu großer Heftigkeit, so daß die Hauttemperatur eine ungewöhnliche Höhe (40° C. und darüber) erreicht, Delirien, Betäubung und, wenn auch selten, allgemeine Zuckungen eintreten. Nache inigen Stunden, einen, zwei oder mehr Tagen tritt der Aussschlag hervor, und es ersheinen kleine, rosenrote, unregelmäßige und ungleiche Flecken am Halse, Brust, Rücken und dann am übrigen Körper und zwar zuletzt an den Füßen. Die Flecken, welche anfangs gesunde Hautstellen lassen, fließen sehr bald zusammen und bilden große, scharlach- oder himbeerrote, etwas geschwollene, heiße und trockene Hautstellen oder auch eine allgemeine Hautrötung, deren Färbung derjenigen eines gekochten Seekrebses ähnlich ist. Manchmal bilden sich auf er Hautröte viele sehr kleine Punkte, Knötchen oder Frieselbläschen, deren dunklere Farbe gegen den übrigen Teil der Haut absticht. Die Nase ist verstopft, der Hals schmerzhaft, das Schlingen ershwert, da Mandeln und Gaumen geschwollen sind. Eine große Gefahr beim SCharlachfieber bildet die Diphterie des Rachens, die eine sehr häufige Begleiterin dieser Krankheit ist. Nicht selten kommen auch Entzündungen des Gehörgangs vor, die zu Eiterungen und Zerstörungen in der Paukenhöhle führen und schwere, lebensgefährliche Zufälle und bleibende Taubheit nach sich ziehen können. Die Zunge ist feucht, mehr oder weniger dick weiß oder gelb belegt, an der Spitze und den Rändern scharlachrot. Der Appetit fehlt, der Durst ist lebhaft. Die Kranken liegen ruhig im Bette, hier und da klagen sie über Kopfschmerzen, ihr Schlaf ist unruhig und oft derilieren sie in der Nacht ein wenig. Das Fieber und Halsweh steigern oder erhalten sich bis zum 5. oder 7. Tage der Krankheit und nehmen dann allmählich ab, während der Ausschlag gewöhnlich binnen drei Tagen sein höchstes Stadium erreicht und von da an nach und nach blasser und bräunlich wird. Während der Abnahme des Scharlachs beginnt meistens auch schon die Abschuppung im Gesicht und am Halse, dann an den anderen Körperteilen, wobei sich die Oberhaut mitunter in großen Fetzen löst. Sie dauert 8, 10, 15, 20 Tage und darüber. Während dieser Zeit wird das Kind vollkommen hergestellt, es bekommt wieder Appetit, seine Verdauung und die übrigen Verrichtungen gehen regelmäßig vor sich, und nur die Haut bleibt bis zur völligen Abschuppung etwas rauh. Bisweilen tritt diese letztere jedoch erst lange nach edm Verschwinden des Ausschlages und nach dem Aufhören aller übrigen Krankheitszufälle ein."
Marie Susanne Kübler

1832
"Die Zufälle, welche dem Ausbruch dieser Krankheit vorhergehen, sind Frösteln, Schauder mit abwechselnder starker Hitze, Schwindel, Kopfschmerz, Trägheit und Mattigkeit des ganzen Körpers, Schlummersucht, (bei Erwachsnen Schlaflosigkeit), große Angst, verlorne Eßlust, Leibschmerzen, Erbrechen Harnzwang, Leibesverstopfung, herumziehende oder festsitzende Rücken- oder Gliederschmerzen. Vorzüglich bemerkt man aber die Zeichen eines schlimmen Halses; nämlich ziehende und stechende Schmerzen im Halse, Trockenheit und Brennen, beschwerliches Schlingen, Steifigkeit des Halses, Anschwellung und Schmerz in den Halsdrüsen, Heiserkeit u.s.f., dabei trübe rothe Augen, trockne Nase, öfters Niesen, auch wohl Nasenbluten.

Nimmt man diese Zufälle bei den Kindern wahr, vorzüglich die Zeichen des bösen Halses, so darf man auf das Scharlachfieber schließen; um so mehr bei einer in der Nähe herrschenden Epidemie.

Am zweiten, und öfter noch am dritten Tage nach dem Eintritt der oben beschriebenen Zufälle, erfolgt der Ausbruch des Ausschlages. Es erscheinen nämlich gewöhnlich zuerst im Gesicht, am Halse, auf der Brust und an den Vorderarmen, kleine abgesonderte, nicht erhabene, hochrothe Flecken, welche bald darauf allmählig zusammen fließen, und einzelne Theile, und zuweilen den ganzen Körper mit einer Scharlachröthe überziehen. Der Ausbruch geschieht gewöhnlich gegen die Nacht, und währt mehrere Tage fort, so daß die Flecken, welche allmählig größer werden und eine tiefere Farbe bekommen, später am Unterleibe und an den Beinen erscheinen. Ist der Ausschlag stark, so bemerkt man eine Anschwellung des befallnen Theils. Der Fall, daß die Anschwellung und die Röthe über den ganzen Körper verbreitet sind, kommt nur selten vor.

Nur bei dem sehr gelinden Scharlach läßt nach dem Ausbruch das Fieber mit den übrigen Zufällen nach. In den häufigern Fällen aber verschwinden jene Zufälle keineswegs, der Kranke wird vielmehr unruhiger, redet bei Nacht irre, und wirft sich im Bette hin und her. gegen Morgen pflegen jedoch einige Zufälle, besonders die Unruhe und das Irrereden nachzulassen. Dies kehren aber gegen Abend, wo das Fieber wieder zunimmt, oft stärker wieder zurück, und vermehren oder vermindern sich, je nachdem die Krankheit heftiger oder gelinder ist, bis gegen den siebenten oder neunten Tag. Eine sehr große Hitze und ein sehr schneller Puls sind dieser Krankheit eigenthümlich.

Zwischen dem sechsten und neunten Tage nach dem Ausbruche beginnt die Abtrocknung. Die Röthe der Flecken nimmt zuerst ab, sie werden bräunlich, die Haut schrumpft zusammen, wird rauh, und löst sich, vorzüglich an Händen und Füßen, in ganzen Stücken, oft wie ein Handschuh, ab, an den übrigen Theilen oft aber auch nur kleienförmig. Die Abtrocknung geschieht in der nämlichen Ordnung, wie der Ausbruch geschah.

Nicht alle Epidemien des Scharlach sind von gleicher Heftigkeit. Bei dem gutartigen gelinden Scharlach sind die dem Ausbruch vorhergehenden Zufälle so gelinde, daß die Kinder noch umherlaufen und spielen, wenn der Auschlag schon ausgebrochen ist, und daß sie während der ganzen Krankheit nur mit Mühe im Bette zu halten sind. Bei den bösartigen Epidemien, welche leider! in den letzten Zeiten in Deutschland häufig waren, treten aber auch oft alle jene Zufälle mit großer Heftigkeit von Anfang an ein."
Professor Adolph Henke

1798
"Das Scharlachfieber hat fast dieselben Zufälle, wie die Masern, nur daß es weniger allgemein ist und seltner vorkommt. Es ist ansteckend, macht Epidemien und befällt vorzüglich Kinder. Gemeiniglich kommen diese leichter durch als erwachsene Leute, doch ist es mehrentheils eine leichte Krankheit.

Die Patienten werden insgemein mit Frost, Hitze, Kopfwehe, Drücken in der Gegend der Herzgrube, Abneigung vor dem Essen, Ekel u. dergl. befallen, manchmal erchrechen sie sich. Am zweyten, dritten oder vierten Tage erscheinen im Gesichte, am Halse und auf der Brust eine Menge kleine rothe Pünktchen, die sich nach und nach ausbreiten, zusammenfließen, und sodann größere oder kleiner Flecken bilden, die einigermaßen scharlachroth sind. Dergleichen Flecken kommen hernach auch den Gliedmaßen und an dem Körper zum Vorschein. Sogar die Augenränder und die Nasenlöcher werden inwendig roth. Ueberall, wo sich die Röthe zeiget, ist die Haut etwas aufgedunsen. Ohngefähr um den siebenten oder achten Tag verschwindet diese Röthe wieder, und die Haut schilfert sich nach und nach ab. Bisweilen ist das Fieber beträchtlich stark, mehrentheils aber sehr gelinde, oft so, daß man es gar nicht bemerket.

Manchmal ist in dieser Krankheit gleich von ihrem Anfang an, ein schlimmes Halswehe zugegen; oft entsteht es erst um die Zeit, wenn sich die Röthe verlieret. Manche Kranke bekommen dann eine Geschwulst und Geschwüre am Halse und hinter den Ohren: andre, die sich nach dem Abschuppen nicht wohl in Acht nehmen und sich zu frühe in die freye Luft wagen, ziehen sich leicht eine wässerige Hautgeschwulst zu, die sehr leicht und geschwind in eine Wassersucht übergehen kann."
Heinrich Felix Paulitzky

Komplikationen

1972
"Ebenfalls selten, aber doch gelegentlich, treten bei Infektionskrankheiten wie Scharlach, Grippe, Keuchhusten, Masern Gehirnveränderungen auf, die in kurzer Zeit tödlich verlaufen können. Diese plötzlichen Todesfälle bei sonst gar nicht schweren Infektionskrankheiten treffen natürlich die Eltern sehr hart. Diese neigen manchmal dazu, den Arzt oder sich selbst wegen angeblicher Versäumnisse fälschlich anzuklagen. Gegen diese Art des Krankheitsverlaufs ist jedoch die beste Vorsorge machtlos. (...)

Der Scharlach war früher eine mit Recht sehr gefürchtete Infektionskrankheit. In den letzten Jahrzehnten ist er seltener geworden und verläuft aus uns unbekannten Gründen im allgemeinen auch verhältnismäßig mild. Trotzdem ist es immer noch eine Aufmerksamkeit erfordernde Erkrankung, weil in ihrem Gefolge gewisse Nachkrankheiten auftreten können (zweites Kranksein), die nach Möglichkeit verhütet werden müssen.

Gefürchtet beim Scharlach sind die verschiedenartigsten Nacherkranknugen, die in der Hauptsache das Mittelohr, seltener das Herz, vor allem aber auch die Nieren betreffen. Deswegen ist eine sorgfältige ärztliche Überwachung während der ganzen Krankheit erforderlich und auch vor allem ein ausreichend langes Krankenlager. Da bis zum Erscheinen des sogenannten zweiten Krankseins eine längere Zeit verstreichen kann (bis zu 14 Tage und länger), muß das Kind so lange zu Bett bleiben, bis dieser Zeitpunkt verstrichen ist. Im einzelnen wird der Arzt darüber bestimmen."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1939
"Nun zu den Nachkrankheiten, die dem Scharlach in erster Linie den Ruf großer Bösartigkeit eingetragen haben. Sie treten vorwiegend in der zweiten bis dritten Krankheitswoche, gewöhnlich nach einer Zeit relativen Wohlbefindens, auf. Am häufigsten begegnet man mehr oder wenider starken Vergrößerungen der Halsdrüsen, die in gutartigen Fällen bei entsprechender Behandlung bald wieder verschwinden. Ernster einzuwerten sind eventuell auftretende Mittelohrentzündungen, die unter Umständen einen sehr unangenehmen Verlauf nehmen können. Fernerhin kommen relativ gutartige rheumatische Erscheinungen, seltener auch Herzkrankheiten, vor. Die gefürchtetste Nachkrankheit stellt jedoch die Nierenentzündung dar. Sie entwickelt sich gewöhnlich in der zweiten oder dritten Krankheitswoche, kann aber auch noch sechs Wochen nach Ablauf des akuten Stadiums auftreten, wie ich es selber erlebt habe. Da der eigentliche Scharlach in leichten Fällen von den Eltern manchmal übersehen wird und die Nachkrankheiten unabhängig von der Schwere der Ersterktankung auftreten, kommt es vor, daß auch eine anschließende Nierenentzündung zunächst unbemerkt bleibt. Erst in vorgeschrittenem Stadium, wenn die Krankheit schon bedrohliche Formen angenommen hat, wird dann der Arzt gerufen. Damit dies Versäumnis möglichst vermieden wird, ist es vielleicht für manche Eltern wertvoll, etwas über die Symptome einer beginnenden Nierenentzündung zu erfahren. Wenn die bis dahin gesunden Kinder über Kopfweh und Übelkeit klagen, nicht mehr essen mögen und das Gesicht, vor allem die Augenlider, etwas gedunsen scheinen, liegt Verdacht auf Nierenentzündung vor. In vorgeschrittenerem Stadium werden die Eltern dann bemerken, daß der Urin spärlich ist und vielleicht auch etwas rötlich schimmert. Nach Feststellung dieser Symptome steckt man das Kind bis zum Eintreffen des Arztes sofort ins Bett und gibt ihm bis dahin nur etwas Zuckerwasser, Obst oder Kompott. Durch diese Maßnahmen wird man zunächst einmal ein Fortschreiten de gefährlichen prozesses verhindern, bis die ärztlichen ANordnungen befolgt werden können. Bei Behandlung der Nierenentzündung liegt wiederum die Schwierigkeit vor, daß die Krankheit sehr lange dauern kann. Die Kinder selbst fühlen sich jedoch nach Abklingen des akuten Stadiums bald wieder relativ wohl, möchten aufstehen und herumspringen, was vom Arzt vielleicht noch nicht gestattet werden kann. In diesem Fall heißt es für alle Teile: Geduld haben, damit nicht um der Erfüllung eines augenblicklichen Wunsches willen die Gesundheit des Kindes aufs Spiel gesetzt wird."
Dr. med. Luise von Seht

1832
"Da das Scharlach äußerst flüchtig ist, sehr schnell und leicht zurücktritt, sich auf Gehirn und Lungen wirft, und dadurch in wenigen Stunden tödtliche Zufälle erregen kann, so ist mit der größten Sorgsamkeit alles, was in dem vorigen Abschnitt bei den Masern von der Erhaltung einer gleichmäßigen Temperatur, und von der Verhütung der Erkältung gesagt ist, wo möglich mit noch mehr Sorgfalt, bei dem Scharlachfieber anzuwenden.

Zu dem was dort schon vorgeschrieben ist, füge ich noch hinzu, daß das Wechseln der Wäsche, wenn es geschehen soll, nur mit der größten Behutsamkeit geschehen darf; daß große Vorsicht nöthig ist, wenn man dem Kranken das Bett machen will; daß selbst die Leibesöffnungen und das Urinlassen im Bett auf dazu eingerichteten Gefäßen geschehen muß; daß heftiges Wiegen der Kinder, oder selbst Schaukeln auf dem Arme, wegen der Erregung des Luftzuges schädlich werden kann. (...)

Zur Zeit wenn der Ausschlag abtrocknet, steht dem Kranken eine andere, zwar nicht schnell tödtliche, aber nicht minder wichtige Gefahr bevor, wie bei der Krankheit selbst.

Es entsteht nämlich seht leicht nach dem Scharlach, besonders nach einer auch noch so geringen Erkältung, wenn die Genesenen zu frühzeitig in die Luft gehen, eine wässrigte Geschwulst des ganzen Körpers. Man bemerkt dabei gewöhnlich folgende Zufälle: Der Urin geht sehr sparsam ab, obgleich die Kranken öfter Neigung und zuweilen alle Viertelstunden Drang zum Urinlassen empfinden. Die Ausleerung ist beschwerlich, und besteht oft nur in wenigen Tropfen; der Urin ist zuweilen blaß wie Wasser, zuweilen dick und trübe. Dabei schwellen das Gesicht, die Beine, der Unterleib, die Geburtstheile erstaunlich auf, und diese allgemeine Wassersucht wird nicht selten tödtlich.

Um diese Wassersucht zu verhüten ist es daher nothwendig, die Genesenden wenigstens drei Wochen lang im Zimmer zu behalten. Fleißiges Reiben der Haut mit wollnen Tüchern, die mit Mastyr durchräuchert sind, und von Zeit zu Zeit ein warmes Bad, das Tragen von flanellener Bekleidung auf der bloßen Haut, sind gleichfalls sehr dienlich in jener Zeit.

Bemerkt man Spuren von Anschwellungen und den beschriebenen Zufällen, so ist eine Abkochung von einem Loth Cremor Tartari mit einem halben Quart Brunnenwasser aufgekocht, und mit ein Paar Eßlöffel voll Flieder- oder noch besser Wachholdermuß vermischt, täglich lauwarm ausgetrunken, ein sehr unschädliches und oft wirksames Mittel. Die hier angegebene Portion paßt für ein dreijähriges Kind, und ist nach den Umständen zu vergrößern oder zu verringern.

Verliert sich die Geschwulst aber nach diesem Mittel nicht bald, oder nimmt noch zu, so ist der Arzt ohne Zeitverlust zu Hülfe zu rufen.

In andern Fällen kommen Anschwellungen der Drüsen am Halse, die meistens langsam in Eiterung übergehen und Abscesse bilden, als Nachkrankheit vor. Der Zustand ist dann meistens nicht gefährlich, aber langwierig und erfordert passende ärztliche Behandlung.

Bedenklich ist es, wenn die Kinder nach dem Abtrocknen des Ausschlags hartnäckigen, trocknen Krampfhusten,  oder aber Schmerzen in der Brust, Stiche, Husten mit Blutauswurf bekommen und wieder Fieber eintritt. Die ärztliche Hülfe ist dann ungesäumt zu suchen."
Professor Adolph Henke

Schutz

1972
"Ein scharlachkrankes Kind muß streng isoliert werden und wird in vielen Fällen heute zweckmäßigerweise einem Krankenhaus überwieden. Geschwister müssen 8 bis 10 Tage vom Schulbesuch fern gehalten werden. Ihre dauernde Überwachung in dieser Zeit ist zweckmäßig. Bei Isolierung im Privathaus sind die Maßnahmen der laufenden Desinfektion strengstens durchzuführen."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"Für die aktive Schutzimpfung gegen Scharlach steht der Adsorbatimpfstoff der Berhingwerke oder Skarlatox Asid oder schließlich der kombinierte Diphterie-Scharlach-Impfstoff der Behringwerke zur Verfügung. Von diesem injiziert man Kindern bis zu 6 Jahren 1,0 ccm, bis zu 12 Jahren 0,6 ccm subkutan 3mal im Abstand von 4-6 Wochen. Schutz erst nach 2-3 Monaten, 1-3 Jahre anhaltend. Auch der Scharlachimpfstoff nach Gabritschewsky (Behringwerke), enthaltend tote Scharlachstreptokokken und entgiftetes Scharlachtoxin, ist von Bedeutung. Man injiziert 0,5 - 1,0 ccm subkutan, 1-2malige Wiederholung in Abständen von etwa 4 Tagen ist erforderlich. Schutz tritt bereits nach wenigen Tagen ein, so daß das Verfahren besonders bei Hausepidemien in Anstalten empfohlen wird. Der aktiven Schutzimpfung gegen Scharlach kommt bei weitem nicht die Bedeutung zu wie der aktiven Schutzimpfung gegen Diphterie (s.S. 372)."
Dr. Werner Catel

1832
"Verhütet kann die Krankheit nur in so fern werden, als es möglich ist, die Ansteckung zu vermeiden."
Professor Adolph Henke

Pflegemaßnahmen

1972
"Die Behandlung des Scharlachs ist eine ärztliche Aufgabe. Mittels der modernen Medikamente, insbesondere des Penicillins, läßt sich der Krankheitsverlauf ganz erheblich abkürzen. Die früher allgemein auf 6 Wochen angesetzte Isolierung des Kranken ist heute in diesem Ausmaß nicht mehr erforderlich."
Hofmeier, Müller, Schwidder

1964
"Pflege der Mundhöhle; Gurgeln mit Kamillen- oder Salbeitee, besonders nach den Mahlzeiten. Bei Zungenbelag Entfernung desselben durch Betreichen der Zunge mit Zitronenscheiben.

Achtung auf eitrigen Ausfluß aus den Ohren.

Achtung auf die Beschaffenheit des urins, besonders von der Mitte der 2. Krankheitswoche an (Nierenentzündung?).

Der Kranke benötigt eigenes Eßgeschirr, eigenes Gurgelglas, eigene Waschschüssel und eigenes Nachtgeschirr, wie überhaupt gesunde Menschen außerhalb des Krankenzimmers mit keinerlei Gegenständen des Scharlachpatienten in Berührung kommen dürfen. Die Absonderungen des Kranken, die Wäsche usw. müssen laufend desinfiziert werden (s.S. 659ff(. Tragen von Boxenmänteln.

Vor der Entlassung muß der Patient gebadet und sorgfältig gereinigt werden (Haarwäsche).

Schlußdesinfektion: Formalindesinfektion des Krankanraumes, ferner strengste Desinfektion aller Kleidungsstücke ds Kranken und aller anderen mit ihm in Berührung gekommenen Gegenstände (z.B. Geschirr, Spielsachen, Bücher)."
Dr. Werner Catel

1939
"Die Pflege eines scharlachkranken Kindes ist nicht anstrengend. Nur lassen sich manchmal die Absonderungsmaßnahmen nicht so einwandfrei durchführen, wie es laut polizeilicher Vorschrift verlangt wird. Bei einzigen Kindern ist diese Frage gewöhnlich leichter zu lösen. Jedoch läßt sich dort, wo mehrere Kinder vorhanden sind, eine genügende Isolierung oft kaum bewerkstelligen. Als erschwerendes Moment kommt noch dazu, daß schulpflichtigen Geschwistern der Schulbesuch nicht gestattet ist, was z. B. für einen Gymnasiasten eine oft schwer wieder auszugleichende Versäumnis bedeuten kann. Aus diesem Grunde ist bei größerer Kinderzahl möglichst Krankenhausaufnahme zu empfehlen. Abgesehen davon, daß sich das Kind in der Klinik unter Gespielinnen wohler fühlen wird als daheim, wo es wochenlang von fast allen Familienmitgliedern abgesondert werden müßte. Dagegen pflegt sich auf der Scharlachstation der Aufenthalt der kleinen Kranken oft besonders angenehm zu gestalten. Denn die meisten von ihnen fühlen sich ja nur in den ersten Tagen wirklich elend. Es gibt in einem Kinderkrankenhaus wohl kaum ein erfreulicheres Bild, als wenn sich im Scharlaichsaal die kleineren und größeren Patienten, die fast alle gesund und frisch wirken, mit Spielen und Scherzen die Zeit vertreiben."
Dr. med. Luise von Seht

1891
"Das Scharlachfieber ist eine ernste und gefährliche Krankheit und erfordert immer sorgfältige ärztliche Beaufsichtigung und häufig energische Behandlung. Der Patient bedarf vor allen Dingen einer reinen, mäßig warmen Luft; das Krankenzimmer sollte daher womöglich groß sein und gut gelüftet werden. Solange der Ausschlag da ist, lassen man den Kranken strenge Diät halten und reiche ihm säuerliche GEtränke, wie Früchtesirup etc; nach beendigtem Ausschlage ist jedoch keine strenge Diät mehr nötig, und der Patient darf allmählich zur gewöhnlichen zurückkehren. Da aber die Haut noch lange eine große Empfindlichkeit gegen atmosphärische Eindrücke behält, so gestatte man dem Kranken nicht, das Bett vor vollständig beendigter Abschuppung zu verlassen und lasse ihn noch längere Zeit das Zimmer hüten, damit er sich nicht einer rauhen oder kalten Luft oder der geringsten Erkältung aussetze; denn wenn auch die Abschuppung beendet scheint, so ist wegender Einwirkung der Luft auf die Haut immer noch Gefahr vorhanden. Bei kaltem oder kühlem Wetter darf man die Genesenden nicht vor der sechsten Woche nach dem Aufhören des Fiebers ausgehen lassen, bei warmer Jahreszeit und guter Witterung 1-2 Wochen früher. Im Winter müssen die Kinder nicht nur das Zimmer 6 Wochen lang hüten, sondern dasselbe muß auch ziemlich warm sein, und die Patienten dürfen nicht in ein anderes kälteres gehen. Aus diesem Mangel an Vorsicht können höchst gefährliche Nachkrankheiten entstehen. Noch nach Wochen treten nicht selten Nierenentzündungen auf, die sich sofort durch allgemeine Wassersucht und sehr ernsthafte Zwischenfälle bemerklich machen.

Während der Ausschlag vorhanden ist, läßt sich die entsetzliche Hauthitze, die oft Krampfzustände hervorruft, durch Einreibungen von Mandel- oder Olivenöl oder reinem Fett oder Speck etwas mildern. Kühle Bäder, Einpackungen und Waschungen sollen nur auf ärztliche Verordnung in Anwendung kommen."
Marie Susanne Kübler

1832
"Zur Heilung dieser Krankheit, die zu den allgemeinsten, und häufig auch zu den gefährlichsten Kinderkrankheiten gehört, ist es höchst rathsam die Hülfe des Arztes bei Zeiten zu suchen. Die Fälle, wo das Scharlach ganz gelinde und gutartig verläuft, und Arzneimittel entbehrlich macht, sind nämlich in den letzten Epidemien seltener gewesen. Dagegen kann oft der Kranke durch die versäumte oder verspätete Herbeirufung des Arztes in tödtliche Gefahr gerathen. (...)

Auch das, was bei den Masern von der Diät gesagt ist, gilt bei dem Scharlachfieber. In Hinsicht der Getränke, kann man außer den bei den Masern angegebenen noch säuerliche, Wasser mit Himbeeressig, mit Sauerhonig, schwache Limonade und dergleichen erlauben.

Gegen die Halsschmerzen läßt man fleißig den Dampf von Salbey- und Fliederthee mit etwas Honig und Weinessig gemischt in den Hals gehen, und wenn die Kinder nicht zu klein sind, öfter damit gurgeln."
Professor Adolph Henke

1798
"Das Scharlachfieber wird oft mit den Masern verwechselt; das schadet aber nicht viel, weil beyde Krankheiten einerley Verhalten erfordern.

Man halte den Patienten ruhig und temperirt warm und lasse ihn fleißig Gerstenwasser, Habergrütze, Thee (von Holunderblüthen, besonders am vierten und den folgenden Tagen) oder eine Mischung von vier Theilen aufgekochtem Wasser und einem Theil Milch, aber alles lauwarm, trinken. Er darf nichts von Fleisch essen; sondern nur schleimige Dinge, Obst und saftige reife Früchte, doch immer nur wenig auf einmal.

Wenn die Haut sehr heiß, und dem Kranken das Schlucken und Athemholen beschwerlich ist, so muß man säuerliche Getränke, Molken etc und täglich Klystiere geben, den Kranken sich oft nur mit Milch und Wasser gurgeln, und die Dämpfe von warmem Wasser und Essig einathmen lassen (§. 71 Nr. 4.), Umschläge um den Hals legen oder Blutigel unter die Ohren ansetzen (dieses muß aber gleich anfangs geschehen und ist bey Kindern, die zugleich beschwerlich zahnen, sehr dienlich, oft das einzige Rettungsmittel) - überhaupt die Regeln befolgen, welche in der Abhandlung von der Bräune (im angeführten §.) vorgeschrieben worden.

So gelinde auch die Krankheit gewesen seyn mag, so muß man doch die Kinder noch einige Wochen lang, nachdem das Fieber und der Ausschlag vergangen sind, es mag Winter oder Sommer seyn, einhalten, weil sie dann so leicht nach der geringsten Stöhrung der Ausdünstunge eine wässerige Geschwulst oder gar eine Wassersucht bekommen.

Geschähe dieses, so müßte man ihnen alle Morgen einen Thee von gelinde grösteten Wacholderbeeren (Anh. Nr. 50.), Mittags und Abends hingegen eine Knoblauchsuppe geben, und den Lein, zumal aber die angeschwollenen Theile, des Morgens und Abends mit einem wollenen Tuch reiben, daß man vorher mit dem Dampf von Wacholderbeeren beräuchert hat. Eine starke Handvoll frischer Queckenwurzeln, die fein zerschnitten worden sind, mit einem Quint gerösteter und zerst0ßener Wacholderbeeren vermischt, und mit einem Maaß Wasser bis auf zwey Drittheil eingesotten, leistet sehr gute Dienste, wenn man von diesem Absude alle Stunden eine Theeschaale voll trinken und die Kranken etliche mal des Tages ein Kaffeelöffelein voll Weinsteinrahm nehmen läßt. Spührt man von diesen Mitteln nicht bald Nutzen, so muß man einen Arzt zu Rathe ziehen; denn dieer Zufall kann leicht gefährlich werden."
Heinrich Felix Paulitzky

Sonstiges

1939
"Der Scharlach ist im allgemeinen nicht so gefährlich wie sein Ruf. Selbstverständlich gibt es auch bösartig verlaufende Fälle, die für die Gesundheit und das Leben des Kindes verhängnisvoll werden können. Aber immerhin überwiegen bei weitem die leichteren Formen, so daß man den Scharlach kaum mehr zu fürchten braucht als die Masern, die allerdings nicht ganz berechtigter Weise als leichte Kinderkrankheit gelten. (...)

Der Scharlach ist meldepflichtig. Auch hinsichtlich Desinfektion, Schulbesuch usw. bestehen gewisse Vorschriften, über die die Eltern bei jedem vorkommenden Fall unterrichtet werden. Einmalig durchgemachter Scharlach schützt im allgemeinen vor einer zweiten Erkrankunng, doch wird auch zweimaliges Auftreten beobachtet. Ich selber habe einen solchen Fall erlebt, der sich beide Male durch besonders starke Schuppung auszeichnete."
Dr. med. Luise von Seht

1832
"Das Scharlach. Scharlachfieber.
Diese Krankheit, welche auch Scharlachfriesel (in einigen Gegenden auch rother Hund) genannt wird, gehört zu den wichtigsten Kinderkrankheiten, und einige in der neuern Zeit herrschende Epidemien, haben in Deutschland große Verheerungen angerichtet."
Professor Adolph Henke

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