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Wie Frauen im 19. Jahrhundert die Geburt erlebten

Querschnitt hochschwanger, aus: Schultze, Lehrbuch der Hebammenkunst, 1864

Geburt aus Beckenendlage

"Früher waren Geburten aus Beckenendlage normal. Da wurde kein Bohei drum gemacht wie heute." Sätze wie diese habe ich schon häufiger gelesen. Das ist zum Teil richtig, zum Teil auch nicht. Zum einen gibt es verschiedene Varianten des Beckenendlage, zum anderen wurde früher auch um den Tod von Mutter oder Kind "kein Bohei" gemacht. Alles rund um die Geburt war halt gottgewolltes Schicksal.

Was macht die Gebärende während der Eröffnungsphase?

Erst im 20. Jahrhundert wurden die Frauen mit dem Einsetzen der Wehen auf das Geburtsbett befördert. Früher war es absolut üblich, dass sie sich frei bewegten.

Eine kleine Geburtenstatistik, 1810-1814

Im frühen 19. Jahrhundert wurden in den Kirchenbüchern im Bistum Passau interessanterweise der Geburtsmodus und die betreuende Hebamme notiert. Diese Bücher sind online einsehbar und ich habe folgende kleine Statistik erstellt.
In den Jahren 1810-1814 gab es in der Gemeinde Kirn (heute zu Ering am Inn) insgesamt 100 Geburten, darunter eine Zwillingsgeburt. Die Geburten waren:

Ist die Anwesenheit des Vaters bei der Geburt neumodisch?

Es begann Anfang der 1970er, dass Väter in den Kreißsaal drängten, und es dauerte bis Mitte der 1980er, dass  sich ihre Anwesenheit etablierte.

War schon immer so? Denkste!

Selbstverständlich war jede Tradition einmal neu, wenn man nur weit genug in die Vergangenheit zurück geht. Doch das gesellschaftliche Bewusstsein reicht nur etwa zwei bis drei Generationen zurück. Für alles, was wir tun, das unsere Großeltern schon taten, gilt: "Das war schon immer so!" Bei vielen Überlieferungen fällt es uns schwer zu glauben, dass sie nicht schon hunderte von Jahren alt sind. Doch vieles, was wir für modern halten, war eigentlich nur kurzzeitig aus der Mode gekommen.

Die schönsten Zitate

Auf meiner Facebook-Seite Geschichte der Säuglingspflege poste ich regelmäßig Zitate aus historischen Erziehungsratgebern und Lehrbüchern. Einige dieser Zitate erweisen sich als besonders beliebt. Sie bekommen haufenweise "Likes" und werden viel geteilt. Natürlich verschwinden sie dennoch bald wieder in den Untiefen von Facebook. Grund genug, sie einmal hier zu sammeln.

"Liebe Amalia!"

So beginnt die Postkarte, die das Titelbild meiner Webseite darstellt. Sie steht symbolisch für das, was mir am Herzen liegt und worum es auf meiner Webseite geht. Geschichte, Babys, Familie. Die Karte wurde an meine Altmutter Amalia Wild geb. Schleindlsperger geschickt. Der volle Text lautet:

Uropas erstes Bad

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stillzeit 4/2009

Als der kleine Heinrich geboren wurde, war er bedeckt mit Käseschmiere, wie es jedes Kind bei seiner Geburt mehr oder weniger ist. Diese Käseschmiere oder -firniss galt es zu entfernen. "Durch gelindes Reiben und Waschen in dem Bade wird das Kind von dem anklebenden Firniß und Schmutz befreit, und die zur Gesundheit nöthige Ausdünstung durch die Haut dadurch erleichtert." [Henke, 1832] Unmittelbar nach der Geburt wurde unser Heinrich nun gebadet. Doch wie sah dieses Baden aus? Um das beurteilen zu können, betrachten wir, wie warm, womit und wie lange gebadet wurde.