Zahnpflege

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Gesunde Zähne sind wichtig. Auch früher schon war man auf Zahnpflege bedacht. Doch sah die noch sehr anders aus als heute.

Heinrich Felix Paulitzky berichtet in seinem Werk "Anleitung für Landleute zu einer vernünftigen Gesundheitspflege" im Jahr 1798, dass Bauern häufig sehr gute Zähne hätten. Er schrieb das der Ernährung und der Lebensweise zu.

"Die Bauersleute, die hartes Brod, keine Speisen von hohem Geschmack, kein Zuckerwerk essen; die wenig oder keine warmen Getränke, sondern frisches Wasser trinken und keinen Toback rauchen - haben mehrentheils schöne und gesunde Zähne."

Diese Leute bedürften keiner weiteren Zahnpflege, meinte Paulitzky.

"Aber diejenigen, welchen die Zähne unrein, mit Weinstein belegt oder schwarz sind, haben größre Sorgfalt anzuwenden, um zu verhindern, daß sie nicht angefressen werden."

Morgens uns nach jedem Essen sollte der Mund mit frischem Wasser gereinigt werden. Nur manchmal, wenn die Unreinheiten so fest sitzen, dass Wasser nicht reicht, sollte man mit sogenanntem Zahnpulver nachhelfen. Es gab diverse Zahnpulver zu kaufen, doch Paulitzky bevorzugte selbstgemachte.

"Man hat aber keins von den gerühmten zusammengesetzten Zahnpulvern nöthig, deren es eine unendliche Menge giebt. Sie sind nicht alle gut und sicher. Denn manche enthalten scharfe und abscheuernde Theilchen, welche die auswendige glatte Rinde der Zähne angreifen, wornach sie desto eher verderben. Je geschwinder ein solches Mittel die Zähne weiß und glänzend macht, je verdächtiger ist es. Das beste uns sicherste unter allen ist die gepulverte Kohle von verbranntem Brod, mit ein wenig Salz, oder auch das feine Pulver von gebrannten Kälberknochen."

Paulitzky gibt keine gesonderten Tipps für Milchzähne. Und so verwundert es vielleicht etwas weniger, dass weder Christoph Wilhelm Hufeland (1830) noch Friedrich August von Ammon (1854) in ihren damals hoch geschätzten Werken über die Kinderpflege das Zähneputzen nicht behandeln. Über Mundsoor wird berichtet und über das Zahnen, doch obwohl beide großen Wert auf Prophylaxe in der Gesundheit legen, erwähnt keiner von ihnen die Zahnpflege.

Bei Dr. Ernst Brücke (1892) beginnt Zahnpflege erst, wenn das Kind sich selber den Mund mit lauwarmen Wasser ausspülen kann. Das soll geschehen, nachdem es süße oder saure Lebensmittel gegessen hat. Gründlichere Reinigung geschieht nach Bedarf mit einem Leinentuch, das in mit Wasser verdünnte Myrrhetinktur oder verdünnten Branntwein getaucht wird.

Eine Zahnbürste soll man laut Brücke erst benutzen, wenn die ersten bleibenden Zähne vollständig durchgebrochen sind. Und selbst dann nur, wenn man bräunliche oder grünliche Flecken oder Streifen auf den Zähnen bemerkt oder Essensreste in den Zwischenräumen stecken. Man bleibt ansonsten beim Ausspülen, welches nach den Mahlzeiten erfolgen soll.

Brücke gibt noch weitere Tipps:

"Anscheinend zu eng stehende Zähne lasse man nicht sofort ausfeilen, sondern man warte erst ab, ob sie thatsächlich an ihren Berührungsstellen erkranken. Häufig geschieht dies nicht, ja bei Unerwachsenen hebt häufig weiteres Wachsthum des Kiefers das ganze anscheinende Uebel.

erkankte Milchzähne sollen nicht ausgezogen werden, ehe nicht der böeibende da ist, und auch dann nur, wenn sie den letzteren hindern oder Schmerzen verursachen.

Parforcetourenmit den Zähnen, wie Nüsse knacken, Nägel oder Knopfnadeln abbeissen, ja selbst ads Abbeissen von Fäden hat man seinen Kindern zu untersagen. Hervorbrechende bleibende Zähne oder eben hervorgebrochene sind noch sorgfältiger als schon ältere zu schonen und vor jeder Schädlichkeit zu bewahren. bei ersteren ist auch die Gefahr des Ausbeissens eine grössere, weil die Wurzel noch nicht fertig sein kann, wenn auch die Krone schon fertig da steht."

Im "Buch vom Kinde" (1907, Adele Schreiber Hrsg) wird empfohlen dem Kind von Geburt an regelmässig den Mund mit einem nassen Leinenläppchen auszuwischen. Zunächst vor allem, um Soor zu verhindern. Mit dem zweiten Lebensjahr beginnt die Zahnpflege. Die Kinder sollen lernen, den Mund auszuspülen und eine Zahnbürste zu benutzen. Geputzt wird morgens nach dem Aufstehen, Mittags nach dem Essen und Abends vor dem Schlafengehen. Beim Zähneputzen sollen alle Seiten des Zahnes und das Zahnfleisch einbezogen werden. Auch Gurgeln soll den Kindern möglichst früh beigebracht werden, nicht zuletzt weil dies auch im Krankheitsfalle wichtig ist, da Krankheiten wie Diphterie das Gurgeln mit Medizin erforderten. Gegurgelt wird zur Zahnpflege mit einer schwachen Kochsalzlösung. Es wird darauf hingewiesen, dass die Benutzung der Zähne ein "ausgezeichnetes Mittel" sei, Zähne und Zahnfleisch gesund zu erhalten. Darum solle man darauf achten, dass die Kinder immer gründlich kauen. Zahnstocher soll man die Kinder nicht benutzen lassen, da sie ihr Zahnfleisch damit verletzen können. Zahnstocher aus Holz und Metall werden abgelehnt. Wenn überhaupt, soll man einen Federkiel mit verschlossener Hülse verwenden. Es wird erwähnt, dass 78-95% aller Schulkinder "kranke Zähne" hätten. Dabei wird aber nicht klar, wo diese Zahlen her kommen.

In seinem Lehrbuch für Säuglings- und Kinderkrankenschwestern (1964) beschreibt Prof. Dr. med. Werner Catel die Zahnpflege folgendermaßen:

"Von der Mitte des 2. Lebensjahres an muß das Gebiß in besonderer Weise gepflegt werden. Die Zähne sollen wenigstens zwei Mal täglich nach den Mahlzeiten mit einer weichen Zahnbürste und lauwarmem Wasser, evtl. unter Anwendung von Schlemmkreide, gereinigt werden. Es ist wichtig, sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung zu bürsten; auch die zungenwärts gelegenen Zahnflächen sind bei geöffnetem Mund zu reinigen. Am gründlichsten soll die Zahnpflege abends nach der letzten Mahlzeit betrieben werden. Zum Mundspülen benutzt man am besten einfachen Kamillentee. regelmäßige Überwachung auch des Milchgebisses durch einen Zahnarzt und rechtzeitige Beseitigung auftretender Schmelzdefekte ist unbedingt erforderlich."

Als ich Kind war, hieß es noch drei Mal am Tag nach den Mahlzeiten drei Minuten lang in kreisenden Bewegungen die Zähne putzen. Heute sollen sich meine Kinder laut Zahnarzt morgens und abends zwei Minuten lang die Zähne putzen. Welche Zahnputzregeln kennst du?

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Comments

Doro 2 months ago

Hallo Karin,

Meine Mutter erzählt immer, dass sie mit uns Kindern (Jahrgang 1967 bis 1976) noch nicht so früh angefangen hat mit Zähne putzen wie wir. Zum Zahnarzt ist sie dann ab dem Schulalter mit uns bzw. bei uns beiden jüngsten auch schon im Kindergartenalter.
Unsere Zahnärztin meint morgens und abends zu Hause putzen. In der Kita wird auch geputzt, die garantieren aber nicht für die Gründlichkeit. :-D Zwei Minuten wäre super, das lässt die zweijährige nur eher nicht zu.
Wir putzen mit Fluoridhaltiger Zahnpasta. Wie hältst du es damit? Die Karies bei Kindern ist ja definitiv auf dem Rückzug und das ist auch gut so. :-D

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Karin Bergstermann 2 months ago

Hallo Doro,
bei uns wird auch mit flouridhaltiger Zahnpasta geputzt.
Ich selber hatte einiges an Karies in den Milchzähnen, aber hab dann mein Zahnpflegeverhalten mit dem ersten Wackelzahn geändert, weil es mir davor grauste, irgendwann mal Zahnersatz haben zu müssen. Das fand ich sooo eklig!
Hat auch ganz gut geklappt. Habe nur vier Plomben, nämlich in den Backenzähnen, die schon da waren, als der erste Milchzahn wackelte. Toitoitoi, dass es so bleibt.
LG
Karin

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Julian 1 month ago

Hallo!
Ich recherchiere gerade zum Thema Zahnpflege bei Säuglingen/Kindern. Dabei bin ich auf diesen Blog gestoßen!
Der geschichtliche Aspekt zu diesem Thema hat mir noch gefehlt und somit konnte mir dein Artikel sehr helfen.

Habe selbst 2 Kinder und meine Frau und ich werden uns nicht einig wie das optimale Zähneputzn nun aussieht.
Wie du beschrieben hast hat man mir in der Kindheit auch immer die 3x3min Methode aufgezwungen.

Heutzutage sind sich auch nicht mal mehr alle Zahnärzte einig was nun die beste Lösung. Unser aktueller Zahnarzt empfiehlt jedoch auch "nur" 2 mal täglich 2min.

lg
Julian

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