Beikostempfehlungen durch die Zeit: 1892

Die folgenden Beikostempfehlungen stammen aus dem Buch "Wie behütet man Leben und Gesundheit seiner Kinder?", Dr. Ernst Brücke, weil. emer. Professor der Physiologie an der Wiener Universität, Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller Hrsg., K.k. Universitäts-Buchdruckerei "Styria" in Graz, 1892 

Im Alter von 6-7 Monaten wird zum ersten Mal Beikost in Form einer starken Fleischbrühe gegeben. Diese wird gesalzen (Wir wissen heute, dass Beikost nicht gesalzen werden darf!), aber ohne die für Erwachsene üblichen Kräuter zubereitet. Wenn das Kind die Fleischbrühe nicht trinken will, soll man ihr Zucker hinzufügen, oder den Flaschensauger in Zuckerlösung tauchen, um das Kind zu "betrügen" (Wortwahl des Autoren). Ebenso kann man die Brühe unter die Milch mischen.

Um den Nährwert der Fleischbrühe zu erhöhen, wird Eidotter hinzugefügt. Der Autor berichtet, dass Eidotter von vielen Kindern im ersten Lebensjahr schlecht vertragen würde, aber einen Versuch sei es wert. Verträgt das Kind den Eidotter nicht, muss Fleisch der Brühe hinzugefügt werden. Die Beinahrung darf keine Stücke enthalten, da Kinder sie sonst ausspucken würden. Das Fleisch muss daher passiert werden.

Fleisch scheint für den Autor das wichtigste Nahrungsmittel überhaupt zu sein.

"Anders verhält es sich mit den pflanzlichen Nahrungsmitteln, welche den Kindern in Gestalt von gekochtem oder zu Weissbrot oder Zwieback verbackenem Mehle gereicht werden. Sie sind bei der späteren Ernährung des Kindes nicht zu entbehren, aber hier muss man in steter Sorge leben, dass davon nicht zu viel und in zu compacter Gestalt in das Kind hineinkomme, weil erfahrungsgemäss dadurch Anschwellungen und Verhärtungen des Lymphdrüsen entstehen können."

"Alle stärkemehlhaltigen Nahrungsmittel sind nicht in blossem Wasser, sondern in Milch, beziehungsweise im Wasser, dem Milch zugesettz wird, einzukochen, oder in Fleischbrühe, wo Gründe vorhanden sind, die Milch zeitweilig auszuschliessen; als ein solcher ist aber nicht der alberne Aberglaube anzusehen, die Milch verschleime."

Der Autor warnt davor, dem Kind "consistentere vegetabilische Kost" zu geben, da es davon zwar satt werde, aber nicht die seiner Meinung nach notwendigen Eiweiße bekäme. Das Kind würde dann satt verhungern.

Beim Füttern mit dem Löffel soll darauf geachtet werden, dass man langsam füttert, um dem Kind die Zeit zu geben, genug Speichel zu produzieren.

Sobald das Kind Fleisch isst, kann man auch damit anfangen, püriertes Gemüse hinzuzufügen. Als erste Gemüse empfiehlt der Autor Spinat und Karotten.

"Doch muss bei dem allen Milch im ganzen ersten Lebensjahre das Hauptnahrungsmittel bleiben, und auch noch im zweiten bei steigender Menge der anderweitigen Nahrungsmittel. Den Kreis derselben wesentlich zu erweitern gelingt häufig erst gegen Mitte des zweiten Lebensjahres, doch kann es früher versucht und angestrebt werden. Es ist dabei täglich der Koth des Kindes zu untersuchen, und alle Dinge, welche man in demselben als unverdaut wieder erkennt, sind vorläufig aus der Reihe der erlaubten Nahrungsmittel zu streichen, wenn irgend welche gastrischen Störungen bemerkt werden."

Obst hält der Autor für irrelevant. Seiner Meinung nach führt es zu häufig zu Durchfällen und schlechten Zähnen.

Aus dem Text geht nicht hervor, wann der Übergang von Brei zum normalen Familientisch statt finden soll, obwohl er beschreibt, dass Kinder an Brotrinden nagen können. Allerdings scheinen Suppen in vielen Bevölkerungsschichten eine tägliche Mittagsmahlzeit zu sein.

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