Plädoyer fürs Co-Sleeping, 1798

(Zu den Kommentaren)

Der berühmte Arzt Christoph Wilhelm Hufeland sprach sich 1798 eindeutig dafür aus, dass zumindest das Neugeborene an die Seite seiner Mutter gehört.

"Es liegt wirklich etwas sehr Unnatürliches in der Gewohnheit, ein neugeborenes Kind gleich nach der Geburt, abgesondert und sich selbst überlassen, in sein eignes Bett zu legen, und zu verlangen, daß es nun, gleich einem vollkommnen Menschen (der es noch nicht ist) die Kraft haben soll, für sich allein zu leben. Jedermann weiß, daß die Natur keine Sprünge liebt; und dennoch nöthigen wie sie hier gewöhnlich zu einem der größten und gefährlichsten. Hier vorzüglich sollte uns die successive Absonderung ein heiliges unverletzliches Gesetz seyn. Jedes Thier bleibt nach der Geburt noch innigst an seine Mutter geschmiegt, und in ihrer, ihm so lange gewöhnlichen Atmosphäre. Auch bey armen, geringen, bey allen wilden Naturmenschen, genießt das Kind dieses so natürliche Vorrecht. Nur in den vornehmern Ständen, in den Regionen der erkünstelten und unnatürlichen Lebensweise, versündigt man sich an diesem heiligen Naturgesetze. - Es läßt sich nichts belebenderes, nichts stärkenderes, nichts nothwendigeres für das zarte Leben eines Neugebornen denken, als die lebendige Atmosphäre, der Lebensdunst seiner Mutter, der so lange die einzige Quelle seines Lebens uns seiner Kraft war, die sanfte Mittheilung ihrer natürlichen Lebenswärme, die es unmöglich schon ganz sich selbst zu geben im Stande ist. Man muß sehr wenig Kenntniß von dem wichtigen Einflusse lebendiger thierischer Wärne auf unsre Natur haben, um dieß nicht zu begreifen; und ich brauche nur daran zu erinnern, daß man das abgelebte Alter, einen Zustand, der in aller Absicht so viel Analoges mit dem Anfange des Lebens hat, durch nichts so sehr stärken und erquicken kann, als durch die Atmosphäre und nahe Berührung gesunder kräftiger Jugend."

Christoph Wilhelm Hufeland, "Bemerkungen über die natürlichen und inoculirten Blattern, verschiedene Kinderkrankheiten, und sowohl medizinische als diätetische Behandlung der Kinder", 1798

Das Buch kann hier gelesen werden. Das Zitat beginnt auf Seite 366.

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