Wie die Kinder aus dem Elternbett verschwanden. 1832-1995

(Zu den Kommentaren)

Aus dem kleinen, hilflosen Wesen, das die Nähe der Mutter braucht, wurde ein Quälgeist, der stört. Was hat sich geändert? Sicher nicht die Bedürfnisse der Kinder. Sicher nicht die Art, wie sie diese Bedürfnisse kund tun. Sehr wohl aber das, was von ihnen erwartet wird. Sie sollen alleine schlafen und das klappt nicht gut, da es nicht ihrer Natur entspricht. Doch die Kinder wieder ins Elternbett zu holen, würde einen Rückschritt darstellen und man müsste sich eingestehen, dass man sich geirrt hat, die Kinder ausquartieren zu wollen. Zum Glück verbreitet sich diese Einsicht, dass das Ausquartieren ein Irrtum war, heutzutage immer mehr.

1832

"In der ersten Zeit nach der Niederkunft pflegt jedes Kind denselben Aufenthalt mit der Mutter in der Wochenstube zu theilen. Mütter, welche selbst stillen, behalten meistens die Kinder, bis zur Zeit der Entwöhnung, um sich, in ihrem Wohnzimmer. Späterhin machen die Verhältnisse, besonders wo mehrere Kinder vorhanden sind, den Aufenthalt derselben in einem eignen Zimmer nothwendig."

Taschenbuch für Mütter, Adolph Henke

1854

"Wir verließen den im ersten Schlummer liegenden Säugling an der Seite der Mutter, denn dort findet derselbe in der ersten Zeit seine beste Stelle; er befindet sich behaglich in der Nähe der Mutter, der die Natur nicht umsonst eine erhöhte Wärme und reichlichen Schweiß gegeben hat. Es ist dem Neugeborenen in dieser Brutwärme wohl und dort schlummert er sanft und ungestört, bis das Nahrungsbedürfniß ihn weckt."

Die ersten Mutterpflichten und die erste Kinderpflege, Dr. Friedrich August von Ammon

1875

"Ein halbjähriges Kind darf dann allmählig an gewisse regelmäßige Perioden des Wachens und Schlafens gewöhnt worden sein, wozu schon die Tagesordnung des Stillens beiträgt, wie Regelmäßigkeit in der Zeit überhaupt bei allen menschlichen Lebensfunctionen von gedeihlichem Erfolge ist."
"Ueberhaupt soll man das Kind frühzeitig gewöhnen, daß es, wenn es nicht an der Brust eingeschlafen ist, wachend in sein Bett niedergelegt werde, sobald seine Schlafenszeit herangekommen ist."

Die Mutter als Erzieherin, Dr. med. Hermann Klencke

1907

"Wenn eben angängig, soll des Kindes Schlafort nicht der der Eltern sein, und vor allem aber ist die Küche mit ihren Dünsten und ihrer Hitze sicherlich ungeeignet für den Aufenthalt des Säuglings."

Der Säugling, seine Ernährung und seine Pflege, Dr. Walther Kaupe

1921

"An eine achtstündige Nachtpause wird das Kind am besten sehr bald gewöhnt.
    Es gibt Säuglinge, bei denen auch bei richtiger Pflege ein durchgehender Nachtschlaf nicht zu erreichen ist. Diese Kinder stören durch stundenlanges Schreien die Nachtruhe ihrer Angehörigen oder ihres Pflegepersonals. Wenn wir derartige Schreikinder durch eine Nachtmahlzeit zur Ruhe bringen können, greifen wir im Interesse des Kindes und seiner Umgebung zu diesem Mittel."

Der Säugling - Seine Entwicklung, Pflege und Ernährung, Dr. Otto Köhler

1939

"Vielfach begehen die Mütter den Fehler, daß sie den Säugling oder das Kleinkind tagsüber zu lange schlafen lassen, so daß der kleine Quälgeist dann nachts, ausgeruht und voller Übermut, seine Mätzchen macht."

Kinder - Glück und Sorge der Mutter, Dr. med. Luise von Seht

1943

"Man lasse sich durch das Schreien des Kindes in der Nacht, wenn es gesund ist, nicht beirren oder verleiten, es zu beachten oder aus dem Bettchen zu nehmen. Denn wenn das Kind merkt, es nütze nichts, dann gewöhnt es sich das Schreien in der Nacht ab. Gibt die Mutter aber dem Schreien nach, dann wiederholt es sich Nacht für Nacht und die Nachtruhe für Kind und Mutter ist dahin."

Das Kind, der Mutter Glück der Mutter Sorge, Karl Planner-Wildinghof

1972

"Um der Mutter das richtige Vorgehen zu erleichtern, ist es am besten, wenn die das junge Kind in den ersten 3 bis 4 Wochen etwa, d.h. so lange, als auch die eine oder andere Nachtmahlzeit gegeben wird, neben sich an ihrem Bett stehen hat."

Alles über dein Kind - Band I, Prof. Dr. Kurt Hofmeier, Dr. Friedrich Müller, Prof. Dr. Werner Schwidder

1995

"Bei dieser Vorgehensweise verlernt Ihr Kind sozusagen das Schreien. Statt der erwünschten Einschlaf-Hilfe erreicht es damit nur, daß Vater oder Mutter kurz zu ihm kommen und es trösten. Gleichzeitig ist es müde, da es zu regelmäßigen und sinnvollen Zeiten ins Bett gebracht wird. Deshalb kommt es schnell zu dem Schluß: "Ich strenge mich an und schreie, und was passiert? Für das bißchen Zuwendung lohnt sich der ganze Aufwand nicht. Da schlafe ich lieber"."

Jedes Kind kann schlafen lernen, Annette Kast-Zahn, Hartmut Morgenroth

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